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I. Abteilung. Abhandlungen.
Aus der Schule soll unser Volk das Bedürfnis nach einer sauberen,
freundlichen, ansprechenden Umgebung mit ins Leben nehmem
Auf der Grundlage der peinlichsten Ordnung und Sauberkeit erhebe
sich die umgebende Wand des Schulzimmers, farbig getönt, gefällig ge
gliedert in Sockel, Sockel- und Deckenfries, geziert mit einem oder zwei
großen eindrucksvollen Wandbildern von künstlerischem Werte. An passender,
niedriger Stelle mögen auch noch einige kleinere Bilder hängen. Auch eine
Statue in edler Ausführung wird an ihrem Orte nicht ohne Wirkung sein.
Man schaffe aber ja keine Galerie an der Wand, wohl aber einen häufigeren
Wechsel der Bilder in den Rahmen.
Bei der Wahl der Anschauungsbilder, in deren Herstellung die nächste
Zukunft noch weitere Fortschritte bringen wird, entscheide die künstlerische
Qualität.
Künstlerische Eindrücke zu vermitteln bietet Gelegenheit der Religions-,
Geschichts-, der naturkundliche, deutsche und der Zeichenunterricht.
Zu 2. Jedes wirkliche Kunstwerk redet durch sich selbst, aber es redet nicht zu allen.
Die Anleitung zum künstlerischen Sehen besteht in der Gewöhnung der
Kinder an intensive Aufmerksamkeit und scharfe Beobachtung aller Einzel
heiten.
Diesem Ziele dienen außer dem Zeichenunterricht wiederholte gemein
same Bilderbesprechungen und die gelegentlich und freiwillig zu handhabende
Übung im Skizzieren.
Den Besprechungen, die fich auf die sorgfältige Behandlung des Bild
inhaltes zu beschränken und jede Kritik zu vermeiden haben, sind entweder
große Wandbilder oder besser kleine, aber gute Reproduktionen zu Grunde
zu legen, die dann aber den Kindern in die Hand gegeben werden, je
zweien ein Bild. Hierzu empfehlen sich die neuen Flugblätter, volkstüm
liche Lieder mit Zeichnungen deutscher Künstler k 10 Pfg., die bei Ein
übung der betreffenden Lieder gebraucht werden können, die farbigen Kopien
aus dem Seemannschen Verlage, die Meisterbilder fürs deutsche Haus
L 25 Pfg. und die in gleichem Verlage und gleicher Ausstattung er
scheinenden Kunstwartmappen. Gerade die Behandlung mehrerer Werke
desselben Künstlers halte ich für sehr wichtig, sie gibt die Möglichkeit, ein
persönliches Verhältnis zu dem Künstler zu gewinnen. L. Richter geht hier
allen voran.
Diese Besprechungen biete der Lehrer seinen Schülern als eine be
sondere Festesfreude an kirchlichen und geschichtlichen Gedenktagen und wenn
die Klasse besonders fleißig und tüchtig sich gezeigt hat. Und so sollen
diese Besprechungen auch frei sein von jeglicher Pedanterie, eitel Fragelust,
eitel Fröhlichkeit, Freiheit und innige Hingabe an die Sache.

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