Zur „Frauenbewegung".
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anwachsen. Auch hier gilt also im weitern Sinne das Wort: „Was Gott
zusammengefügt, soll der Mensch nicht scheiden!" — Dement
sprechend G. Baur, in „Grundzüge der Pädagogik" (und ähnlich nicht wenige
unserer geistvollsten und erfahrensten Pädagogen): „Im Leben der Mündigen
sind Mann und Weib zu gegenseitiger Unterstützung und Ergänzung bestimmt.
Auf diese Bestimmung die Jugend vorzubereiten, wird der Erziehung nur in
Verhältnisten gelingen können, in welchen ein Wechselverkehr zwischen Zöglingen
männlichen und weiblichen Geschlechts stattfindet. Die Nachteile, welche aus
solchem Verkehre erwachsen können, sind da nicht zu befürchten, wo nicht äußere
Verhältnisse, etwa die zu große Anzahl der Zöglinge, eine erziehende Einwirkung
überhaupt unmöglich machen; dagegen kann nur bei gemeinschaftlicher
Erziehung von Zöglingen beiderlei Geschlechts in diesen das
Bewußtsein ausgebildet werden von der durch den Geschlechts
charakter bestinlmten eigentümlichen Sphäre eines jeden Ge
schlechts und von dessen Pflichten gegen das andere, und dies
Bewußtsein ist wieder eins der zuverlässig st en Bewahrungs
mittel gegen unnatürliche geschlechtliche Verirrungen."
Ähnlich haben sich in neuerer Zeit namentlich Rosegger, Ribbing,
Siebert, Ellen Key, Schlesinger, Lyttleton, Prof. Kopp („Die Er
ziehung der Jugend und geschlechtliche Aufklärung") u. a. geäußert. „Früh
zeitig", so fordern sie, „sei dafür zu sorgen, daß zwischen ältern Knaben und
Mädchen eine harmlose Kameradschaft entstehe, damit nicht die sexuelle Erregbar
keit gesteigert werde, wenn einmal die gezogenen Schranken fallen müssen. Die
Gefahr ist viel größer, wenn nach längere Zeit künstlich durchgeführter Iso
lierung schließlich doch und dann plötzlich die Gelegenheit zur Annäherung ge
geben ist. Wer von Jugend auf mit Schwestern und deren Freundinnen
unbefangen gesellig verkehren konnte, wird auch ganz gewiß später im Umgänge
mit dem andern Geschlecht unbefangener, ruhiger, von geschlechtlicher Reizung
freier und auch weniger linkisch sein als derjenige, dem, aus welchem Grunde
immer, während der ganzen Entwickelungszeit ausschließlich der Verkehr mit den
Altersgenossen des gleichen Geschlechts zu Gebote stand."
Wie sich die „Koedukation" in vielen unserer Volksschulen als zweckmäßig
bewährt hat, bestätigen fort und fort die von gewissenhaften Volksschullehrern
gemachten Erfahrungen. Neulich äußerte sich einer derselben mir gegenüber in
dieser Beziehung: „Überaus befremdlich ist es mir, wie man irgend welche Be
denken gegen die gemeinsame Schulerziehung der Geschlechter haben kann. Mir
und vielen meiner Kollegen, die es treu und ehrlich mit ihrer Schularbeit
meinen, ist es stets eine rechte Freude gewesen, wahrzunehmen, wie sich die
Geschlechter in gemeinsamem Verkehr sowohl im Unterricht
als auch beim Spiel vor allem ihrer Eigenart und der ihnen

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