Zur „Frauenbewegung".
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Meine Mutter sagte zu mir, als ich von ihr Abschied nahm: Bleibe rein! Und wenn
ich rein geblieben bin, nicht nur ich, sondern viele junge Männer mit mir, so ver
danken wir das der gemischten Schule. Da haben wir die Frau kennen, achten und
auf rechte Weise lieben gelernt; wir betrachten sie nicht mehr als ein niedriger stehendes
Wesen." i) —
Übrigens sei auch, bemerkt Frl. A. noch ausdrücklich, die gemischte Schule
aus finanziellen Rücksichten zu empfehlen; es seien weniger Baulichkeiten er
forderlich, und die Lehrenden könnten besser honoriert werden. —
Da nun leider zu befürchten ist, daß noch geraume Zeit vergehen dürfte,
bis wir uns ähnlicher Schuleinrichtungen, wie sie sich in Finland, Nord
amerika rc. trefflichst bewährt, erfreuen werden, so möchte ich nun noch einige
den Unterricht in Mädchenschulen betreffende Wünsche und Weisungen zur
Sprache bringen, die sich gemäß vielfacher Erfahrungen als be
sonders berechtigt und beachtenswert erwiesen haben. Vor allem
der Wunsch: Mehr Raum für die ethischen Fächer und Be
schränkung des Unterrichts in den Fremdsprachen! Wie schmerzlich
ist mir die öfter gehörte Klage seitens reiferer Schülerinnen, bezw. der Eltern
derselben gewesen, daß der verhältnismäßig größere Teil der zur häuslichen Vor
bereitung auf den Unterricht bestimmten Zeit für das Fremdsprachliche verwendet
werden müsse.
Was zunächst den Unterricht in den realistischen Fächern betrifft, so mahnt
die vorbildliche Lehrweise Christi deutlichst, daß Geschichte und Natur als
„Säulen der Religion" verwertet werden sollen. Dementsprechend
Herbart: „Die Geschichte ist die große Lehrmeisterin aller Völker. Wenn sie
als solche nicht erkannt wird, so tragen die Jugendlehrer die Hauptschuld daran."
Wie berechtigt somit die Forderung: Keine Trennung der Profan- und Kirchen
geschichte! Immer klarer sollen unsere reifern Schüler die Geschichte der Völker
als eine Geschichte der Weisheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit unseres Gottes
erfassen; sie sollen es erkennen, wie er jedem Volke besondere Gaben
erteilt hat, dieselben im Dien st e der Liebe zu verwerten, damit
der Gesamtorganismus der Menschheit sich entwickele und wachse „zur göttlichen
Größe": Israel als das Volk der Religion, als ein priesterlich Königreich ein
Segen zu werden für alle andern Völker, die Griechen als ein Volk der Künste
und Wissenschaften (Philosophie), vertretend gewissermaßen das Jünglingsalter
der Menschheit, die Römer insonderheit ein Volk der Kriegs- und Rechtswissen
schaften, das Mannesalter vertretend —; von vorwiegender Äußerlichkeit, mehr
praktisch, natur-beherrschend und -gestaltend sind die romanischen und slavischen
i) Aus eigenster Erfahrung in mehrjähriger gemeinsamer Arbeit mit der genannten
Vorsteherin an derselben Schule kann ich diese Urteile nur bestätigen. von Rohden.

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