284 I. Abteilung. Abhandlungen.
Völker der neuern Zeit, übrigens darin verwandt den antiken Nationen aus
Hams Geschlecht.
Unser Volk ist vor andern Nationen ausgerüstet mit Gaben des Gemüts,
somit vorzugsweise tüchtig gemacht, die Herrlichkeit des Evangeliums in seiner
Tiefe zu erfassen —, dazu auch befähigt, sich leicht in die Eigenart anderer
Völker, insbesondere auch den Geist ihrer Sprachen, hineinzufinden und alles,
was sie Treffliches in Wort und Tat geleistet, zweckmäßig zu verwerten —; es
ist somit vornehmlich berufen, als Träger und Verbreiter des
schriftgemäßen Bekenntnisses die Führerschaft im „Israel des
Neuen Bundes" zu übernehmen. Wohl bemerkenswert ist es in dieser
Hinsicht, daß dem „Israel des Alten Bundes" das genau in der Mitte der
Alten Welt gelegene Kanaan und unserm Volke sein Heimatland in der Mitte
der Kulturvölker neuerer Zeit zugewiesen worden. Gar zutreffend äußert dem
gemäß Rothe in seiner „Theologischen Ethik":
„Wie das deutsche Volk geographisch am Leibe der europäischen Menschheit das
Herz bildet, so hat es auch in der großen sittlichen Gemeinschaft derselben die Ver
richtungen des Herzens über sich zu nehmen, das Geschäft der Blutbereitung. Es soll
die stille Werkstatt sein für die Durchbildung der sittlichen Ideen, welche die geschicht
liche Entwickelung unserer europäischen Christenheit zu tragen haben."
Mit Rücksicht auf diesen unserm Volke und insbesondere auch unsern
Frauen (gemäß der obigen Andeutungen) zugewiesenen Beruf ist es dringlichst zu
fordern, daß die Geschichtslehrer unsere reifern Schülerinnen nicht nur mit den
einflußreichsten Erscheinungen auf dem Gebiete der Kunstgeschichte (Bildung des
Schönheitssinnes!) und der Gesellschaftskunde (Genossenschaftswesen, Wohlfahrts-
einrichtungen, Armen- und Kranken-Fürsorge, Verfafiungsfragen rc.!), sondern
auch auf den Gebieten der historischen Pädagogik und der Missionsgeschichte ver
traut mache. Erfahrungsgemäß hören reifere Mädchen —, zumal Semina
ristin nen —, mit regem Interesse von den Licht- und Schattenseiten in der
Pädagogik der antiken Völker —, wie z. B. die Verkennung des Rechts der
Individualität, infolge der einseitigen Erfassung des nationalen Prinzips, eine
Hauptursache der Frauenverachtung und des Elendes der Sklaverei gewesen —,
sodann von der erfreulichen Wendung auf diesem Gebiete durch den Einfluß
des Christentums, von der bez. Sorgsamkeit Karls des Großen, der Reform
bedürftigkeit der mittelalterlichen Schulen, von den erfolgreichen Verbesserungs
arbeiten der Reformatoren und ihrer Schüler und Nachfolger, namentlich von
Comenius, Herzog Ernst dem Frommen, Francke, Rousseau, Basedow, Salzmann
und besonders auch von Pestalozzi samt seinen direkten und indirekten Schülern.
Selbstverständlich ist es reifern Schülerinnen eine besondere Freude zu erfahren,
wie man es auch bei andern Völkern mit Bewunderung ausgesprochen hat,
„daß das Beste, was deutsche Männer an Geist und Charakter
haben, sich zu großem Teil auf die Mütter und ihr Wirken in

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