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I. Abteilung. Abhandlungen.
Missionsberufes —, selbstverständlich nicht ohne Rücksicht auf die Verhältnisse
ihrer Eltern! — anzuregen —, wie übrigens auch schon ein Luther darauf
hingewiesen. „Welche unter den Mädchen", so mahnt er, „sich in
der Schule als ein Ausbund (d. i. ausgezeichnet begabt) zeigt,
die möchte für den Lehrerinnenberuf ausgebildet werden." Daß
die überwiegende Mehrheit unserer Lehrerinnen mit treuester Hingebung (nicht
selten sogar mit übergroßem Eifer) und entsprechenden Erfolgen im Schuldienste
tätig gewesen und noch ist, das haben sachkundige, unparteiische Beobachter allezeit
rückhaltlos anerkannt. —
In welcher Weise der naturkuudlicheUnterricht „als ein Bilderbuch,
das in tiefer Symbolik das Übersinnliche veranschaulicht, als eine Himmelsleiter
zu Gott hinaufführt" in der Mädchenschule zu verwerten ist, zeigt vornehmlich
das Vorbild unsers Heilandes —z. B. in seiner Bergpredigt, in seinen Gleich
nissen vom Reiche Gottes rc. — „Die Natur", so mahnt dementsprechend auch
eine sinnige Äußerung Goethes — „ist aller Meister Meister; sie zeigt uns
recht den Geist der Geister, läßt uns den Geist im Körper sehn, läßt jedes
Geheimnis uns verstehn." — Für diesen Zweck ist wohl zu empfehlen die
neuerdings (im Verlage von C. Bertelsmann-Gütersloh) erschienene Auf
lage des „Schöpfungsspiegel" von I. Claassen.
Dringend wünschenswert ist ferner eine sorgsamere Bildung unserer
Jugend, insbesondere auch der weiblichen, aus dem deutsch-sprachlichen
Gebiet. Nichts steht bekanntlich in so enger Beziehung mit dem Seelenleben
als die Sprache, darum findet der nationale Charakter eines Volkes am unmittel
barsten seinen Ausdruck in der nationalen Sprache. Deutlichst zeigt sich die
unserm Volke eigenartige Gewissenhaftigkeit in den strenggesetzlichen Formen
unserer Redeweise, die vor allem möglichste Genauigkeit erfordern. Demgemäß
ein Lessing: „Deutlichkeit war mir immer die größte Schönheit."—Dring
lichst ist darum eine sorgsame Einführung in die Kenntnis und
rechte Verwertung der Gesetze unserer Sprache zu fordern.
Übrigens macht es mir Freude, bezeugen zu können, daß reifere Mädchen gar
bald ein reges Jnteresie für die eigenartigen Schönheiten unserer Sprache,
namentlich für die Mannigfaltigkeit der Wortbildungen, stilistischer Wendungen rc.
gewinnen. Freudig zustimmend hören sie alsdann auch — (ich kann nicht unter
lassen, darauf besonders aufmerksam zu machen! —) anerkennende Zeugnisse
feinsinniger Beobachter auf dem sprachlichen Gebiete — so z. B. Dr. Stehlich:
(„Die Sprache in ihrer Beziehung zum Nationalcharakter") „Die deutsche Sprache
dürfte in dem Umfange, in welchem sie in deutschen Schriftwerken vorliegt, den
nicht unberechtigten Anspruch erheben, die vollendetste unter allen jetzt gesprochenen,
höher entwickelten Sprachen von weltgeschichtlicher Bedeutung zu sein." Des
gleichen „Rembrandt als Erzieher." „Die deutsche Sprache ist offenbar,

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