Zur „Frauenbewegung".
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entsprechend der Natur des deutschen Geistes, die von allen lebenden
Sprachen am meisten individuelle." Ähnlich Ludwig Börne:
„Welche Sprache darf sich mit der deutschen messen; welche andere ist so reich
und mächtig, so mutig und anmutig, so schön und mild als unsere? Sie hat
tausend Farben und hundert Schatten. Sie hat ein Wort für das kleinste
Bedürfnis der Minute und ein Wort für das bodenlose Gefühl, das keine
Ewigkeit ausschöpft. Sie ist stark in der Not, geschmeidig in Gefahren,
schrecklich, wenn sie zürnt, reich in ihrem Mitleid und beweglich zu jedem
Unternehmen. Sie ist die treue Dolmetscherin aller Sprachen, die Himmel
und Erde, Luft und Wasser sprechen. Was der rollende Donner grollt, was
die kosende Liebe tändelt, was der lärmende Tag schwatzt und die schweigende
Nacht brütet; was das Mädchen plaudert, die stille Quelle murmelt, und die
geifernde Schlange pfeift; wenn der Knabe hüpft und jauchzt und der alte
Philosoph sein schweres „Ich" setzt und spricht: „Ich bin Ich" — alles über
setzt und erklärt sie uns verständlich, und jedes anvertraute Wort überbringt sie
uns reicher und geschickter, als es uns überliefert worden. — Der Engländer
schnarrt, der Franzose schwatzt, der Spanier röchelt, der Italiener dahlt, und
nur der Deutsche spricht." — Daher dann auch erklärlich (— und unsere reifere
Jugend hört es gern!), daß in Nordbelgien, auf der Balkanhalbinsel an der
untern Donau das Französische mehr und mehr vom Deutschen verdrängt wird,
trotz aller Anstrengungen der Alliance fransaise, desgleichen in der Schweiz,
in Skandinavien und Dänemark. Ebenso wird in Südbrasilien das Portu
giesische mehr und mehr vom Deutschen zurückgedrängt. Als Sprache der
Wissenschaft, der Gelehrten hält unser Deutsch den Siegeszug fast schon über die
ganze Erde; sie ist es schon in Skandinavien, Japan, Pennsilvanien (Milwaukee),
selbst im Welthandel steht sie bereits in zweiter Stelle, gleich hinter England,
sie ist schöner, biegsamer als die englische Sprache. Somit auch erklärlich, daß
die wirtschaftliche Annäherung aller Deutschen, namentlich auch der nordgermani
schen Stämme, immer stärker und fester wird —, und nicht grundlos die
Hoffnung, „daß das Germanentum bald als der Adel der ge
samten Menschheit herrschend dastehen wird." — Wie schmachvoll
darum für uns die leider nicht unberechtigte Anklage (— man sage es un
verhohlen und nachdrucksvoll den reifern Schülern!), daß noch immer bei so
vielen unserer Landsleute eine „unheimliche Vorliebe für das Fremd
ländische" herrscht und daß sogar Ausländer über „die barbarische
Sprachmengerei der Deutschen" spotten. So z. B. sagt ein Franzose
in „Revue de l’enseignement des langues vivantes,“ um zu zeigen, wie
nachlässig die Deutschen mit ihrer eigenen und zugleich mit fremden Sprachen
umgehen: „Man sollte meinen, sie hätten das Bestreben, auf ihre alte Sprache
Verzicht zu leisten und namentlich unsere auch als erobertes Land zu betrachten."
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