Zur „Frauenbewegung".
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besondere in Religions-, Geschichls-, deutschsprachlichen Stunden Lieder, die in
naher Beziehung zu den behandelten Stoffen stehen, sondern auch bei gemein
schaftlichen Ausflügen ins Freie, bei Turnspielen rc. Sie sind also insonderheit
berufen, die Gesangeslust in unserm Volke wieder erwecken und läutern,
namentlich auch dafür sorgen zu helfen, daß die Volkslieder in unsern Familien
wieder mehr Pflege und Verwertung finden. Gern teile ich bei dieser Gelegen
heit einige hierhergehörige Erfahrungen mit, die für manche Kollegen anregend
sein dürften: In einer Geschichtsstunde war reifern Mädchen geschildert worden,
wie die Königin Luise von Preußen eines Tages schmerzlich bewegt durch den
gewaltigen Ernst des von unserm Volke verschuldeten Gottesgerichtes im Gebete
Trost gesucht und gefunden, sich darnach tränenden Auges an ihr Pianoforte
gesetzt und das Lied „Befiehl du deine Wege rc." angestimmt hatte. Draußen
im Garten vor dem Fenster standen die beiden ältesten Söhne der Königin und
folgten sichtlich bewegt dem Gesänge der geliebten Mutter, leise einstimmend, als
sie sang: „Ihn, ihn laß tun und wallen rc." und „Wohl dir, du Kind der
Treue rc." — „Sollten uns nun nicht," so mahnte der Lehrer seine Schülerinnen,
„solche Liedverse um so wertvoller und lieber sein? Singen wir doch sofort
den Vers: „Wird's aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst rc." Eine
Freude war es ihm, zu sehen, wie sie alle so viel andächtiger als sonst ein
stimmten. Noch erfreulicher war es ihm ein andermal, als in einer Religions
stunde die Herrlichkeit des Herrn Jesu zur Sprache gekommen —, wie er einer
seits mit gewaltigem Ernst und großer Entschiedenheit dem Lasterwesen, der
Heuchelei, dem Geiz und Hochmut entgegentrat und andererseits so voll unver
gleichlicher Leutseligkeit und Herablassung gegen Arme und Elende, allezeit bereit
war, das Leid aller, die ihm im Glauben naheten, tragen zu helfen und mehr
und mehr Frieden und selige Freude in ihre Seelen zu legen —^ so namentlich
einer Maria von Bethanien, oder einer Maria Magdalena, die er am Auf
erstehungsmorgen mit einem Worte, mit der Nennung ihres Namens, so
wunderbar erfreute, daß sie überwältigt von Freude zu seinen Füßen sank.
„Das ist's ja eben" —, so erklärte der Lehrer seinen Schülerinnen, „was wir
Glauben nennen. Glauben, wie das Wort sagt, ein „Geloben", ein
sich mit ihm Verloben, in eine Lebens- und Liebesgemeinschaft mit ihm ein
gehen —, dessen gewiß, daß er, wie der Prophet (Hos. 2, 19) bezeugt, uns
erkauft („er fr ei et") hat, wie es einem Brautwerber zukommt, mit Leut
seligkeit und Barmherzigkeit, mit Recht und Gerechtigkeit
und Treue, die fest steht bis in den Tod und endlich auch noch
den Ehebund mit dem Blut der Versöhnung besiegelt hat. Im
Hinblick darauf wollen wir nun singen: „Nichts, nichts hat dich getrieben zu
uns vom Himmelszelt als dein geliebtes Lieben rc." oder auch: „Ich will dich

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