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I. Abteilung. Abhandlungen.
lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund; ich will dich lieben, Gottes
lamm, als meiner Seele Bräutigam rc." —
Noch ein andermal war geschildert das Leiden unsers Heilandes, in Geth
semane und auf Golgatha, wie er in unaussprechlich großer Liebe für seine
Feinde gebetet, seine Mutter und auch einen reumütigen Mitgekreuzigten getröstet
und endlich mit dem Freudenrus „Es ist vollbracht " gestorben ist. „Wie
ist doch dieses Wort „Es ist vollbracht" —, so bezeugte nun der Lehrer —,
das köstlichste, berückendste, das je auf der Erde gesprochen. Denn alle, die
auf seinen Namen getauft sind und an ihn glauben, sind nun dessen ganz
gewiß, daß sie erlöset, erworben und gewonnen, Kinder Gottes und Miterben
Christi geworden und freudig bekennen dürfen: Sein Sterben ist unser
Sterben, sein Auferstehen unser Auferstehen, seine Gerechtig
keit unsere Gerechtigkeit, und teilen wird er mit uns, seinen
Brüdern und Schwestern, seine ewige Herrlichkeit. Darum laßt
uns nun singen: „Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster
Freund, für deine Todesschmerzen rc." — —
Im Religionsunterricht wird es demgemäß zu allermeist darauf ankommen,
das Bild Jesu recht lebendig, unvergeßlich in die Herzen der Schülerinnen zu
legen. Es ist nun einmal in jeder Menschenseele „der Zug zur Per
sönlichkeit", zu einer verwandten Persönlichkeit, in der die eigenartigen
Vorzüge unsers Wesens besonders lebhaft anziehend und fesselnd zur Erscheinung
kommen. Insbesondere findet sich in Frauenseelen die Neigung, in eine innige
Lebensgemeinschaft zu treten mit einer Persönlichkeit, die herrlich ist nicht nur
durch die Fülle der Kunst, sondern auch durch den der Frauenart besonders ver
wandten Sinn der Sanftmut und demutvollen Hingebung. Daher erklärlich,
daß schon in ältesten Zeiten bei den Frauen der antiken Kulturvölker „die
Neigung zu einer schwärmerischen Verehrung des Seelischen in
weiblicher Gestalt." Selbst die Frauen in Israel ließen sich, wie Jere
mias (s. Kap. 4, 8 ff.) so schmerzlich klagt, leicht verleiten zur Anbetung der
Melecheth des Himmels, „der Königin des Himmels" (ursprünglich der
Mondgöttin). Somit denn auch erklärlich, daß christlichen Frauen die Ver
ehrung der Maria von Nazareth als „Himmelskönigin" besonders sym
pathisch ist. Wie dringlich wünschenswert also, unsere reifern Schülerinnen an
zuleiten, daß sie immer klarer, gewisser, freudiger erfaffen, daß in Jesu der
Reichtum an Macht und Güte, verbunden mit der Majestät der Demut in
vollkommenstem Maße, also das unwiderstehlich Anziehende des „Ewig-Weib-
lichen" in höchster Fülle zur Erscheinung gekommen ist. Selbstverständlich sind
auch darauf bezügliche apologetische Ausführungen in unsern Mädchen
schulen notwendig —, zumal in neuerer Zeit die Angriffe katholischer Gelehrten,
namentlich eines Janssen, Pastor. Denifle rc., unserer Kirche gegenüber

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