Zur „Frauenbewegung".
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fort und fort rücksichtsloser, gehässiger werden. Rückhaltlos müssen wir darum
unsern reifern Schülerinnen bezeugen, wie töricht, schriftwidrig der Marien -
kultus, wie töricht diese überschwengliche Verehrung der „Himmelskönigin" —,
die sogar schon lächerlicherweise als „die vierte Person der heiligen Dreieinigkeit
und als große Wundertäterin" verherrlicht wird. Wie töricht, daß Papst
Gregor XIII. es ausdrücklich in das „kirchliche Offizium" hat aufnehmen lassen,
„die Erscheinung der allerseligsten Jungfrau Maria in Lourdes 185 8 ist als
geschichtlich zweifellos festgestellt, und die dort im Laufe von vier Jahren ge
schehenen Heilungen sind wirkliche Wunder." Demgemäß hat derselbe denn auch
angeordnet, daß die ganze katholische Kirche den 11. Februar als besondern
„Festtag der Himmelskönigin" zu feiern habe und daß jährliche Wallfahrten
nach Lourdes dringlichst zu empfehlen seien. Wie bedauerlich, daß auch viele
unserer deutschen Frauen sich an diesen in der Frühlingszeit jedes Jahres statt
findenden Pilgerzügen nach Lourdes beteiligen —, zur Anbetung der dor
tigen Wundertäterin, die bereits wiederholt als die „französische
Nationalgöttin" bezeichnet worden ist. Erfahrungsgemäß sind auch nicht
wenige unserer Frauen, insbesondere auch unserer Lehrerinnen, durch die Lektüre
der Schriften von Konvertiten, namentlich der Gräfin Hahn-Hahn, der
Frau Gnauck-Kühne und Strindberg, in ihrem evangelischen Glauben
schwankend geworden und infolgedessen etliche derselben zur katholischen Kirche
übergetreten. Sie haben sich unter anderem von der Frau Gnauck-Kühne
überreden lassen (s. deren Schrift „Die deutsche Frau um die Jahrhundertwende"):
„Luther betone fast ausschließlich den Geschlechtszweck des Weibes, und wo das
geschehe, höre das Weib auf, sittliche Persönlichkeit zu sein und werde nur
Mittel zum Zweck." „Die katholische Kirche habe den Glauben an die Fähigkeit
des Weibes für das Übernatürliche bewahrt, der Protestantismus aber habe
damit aufgeräumt." Sie empfiehlt nachdrücklich die Nonnenklöster als die
Stätten, woselbst die „übernatürliche Heiligkeit" erfolgreich ge
pflegt und somit auch eine längere Lebensdauer verbürgt werde. „Religiosität",
bezeugt sie, „wirkt Ergebung, Ergebung macht gemütsruhig, Heiterkeit des Ge
müts erhält den Körper, die Heiligen altern nie." — Wie empfehlenswert
darum z. B. in unsern Mädchenschulen eine recht anschauliche Schilderung des
so gar lieblichen Familienlebens im Hause unsers Reformators Luther (nach den
zuverlässigen Zeugnissen eines Melanchthon, Mathesius, Bartz rc.); das
eheliche und häusliche Leben Luthers ist die schlagend st e Wider
legung jener törichten Behauptungen.
Die zuverlässigste, wirksamste Waffe im Kampfe gegen die Angriffe auf
unsere Kirche ist zweifellos die Heilige Schrift. Wie dringlich wünschens
wert darum eine gründlichere, sorgsamere Lektüre unserer
Lutherbibel —, zumal sie auch in besonders naher verwandtschaftlicher Be-

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