Zur „Frauenbewegung".
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rühmt und damit dem weiblichen Walten im Hause die Weihe
gegeben." Von solchen irreligiösen Frauen gilt auch nicht das Zeugnis, womit
ein neuerer Schriftsteller eine historische Untersuchung über die deutschen Frauen
im Mittelalter abschließt (s. Wiese a. a. O. S. 85): „Deutsche Frauen
werden die deutschen Männer bessern und unsere Geschichte
retten müssen, nicht durch Amazonenzüge, aber durch die Macht
edler Herzen und gewaltiger Weiblichkeit. In dem Leben der
Familie, in der Ehe liegt unsere Hoffnung, welche Wahn
sinnige zerstören möchten." — Wohl aber wird immer von den recht
gläubigen (betenden) Frauen gelten, was ein Rodenberg so schön im Liede
ausspricht:
1. „Die reinen Frauen stehn im Leben wie Rosen in dem dunkeln Laub,
Auf ihren Wünschen, ihrem Streben liegt noch der feinste Blutenstaub.
2. In ihrer Welt ist keine Fehle, ist alles ruhig, voll und weich.
Der Blick in eine Frauenseele ist wie ein Blick ins Himmelreich.
3. Wohl sollst du hören hohe Geister, verehren sollst du Menschenkraft,
Dich sollen lehren deine Meister, was Kunst vermag und Wissenschaft.
4. Doch was das Höchste bleibt hienieden, des Ewgen nur geahnte Spur,
Was Schönheit, Poesie und Frieden: das lehren dich die Frauen nur." —
Gelten wird von den gläubigen, betenden Frauen in vollem Maße auch,
was ein Paulus bezeugt (1. Kor. 1. 27): „Was schwach ist vor der
Welt (d. i. nach der Meinung der Menschenmehrheit!), das hat Gott er
wählet, daß er zu schänden mache, was der Welt als stark er
scheint." —
Wohl ist es erfreulich, daß in neuerer Zeit mehr und mehr anerkannt
und auch laut bezeugt worden, wie bedeutsam der Fraueneinfluß und wie
dringlich wünschenswert darum auch eine sorgsamere, zweckmäßigere Frauenbildung
ist; erfreulich insbesondere, daß auf dem neulich abgehaltenen „internationalen
Frauenkongreß" dementsprechende Forderungen aufgestellt worden sind —, so
z. B. von der Frau Maria Stritt bei der Eröffnungsfeier: „Nicht um es
dem Manne gleich zu machen, sondern um ihrer Andersartigkeit willen trete die
Frau ein und werde sie fähig, die freie, starke, mütterliche Frau der Zukunft
zu werden." Ähnlich Auguste Schmidt: „Das letzte Ziel der Frauen
bewegung ist die Erhöhung der sittlichen Werte der Mensch
heit, Demut, Milde, sanfte Hingebung besonders zu pflegen."
Desgleichen Helene Lange: „Der äußern Befreiung der Frau muß
die innere vorangehen: ein größeres Maß von Bildung und geistiger
Reife und damit neue Kraft den mutigen Kämpfern für edle
Sittlichkeit."
Indessen sind gewisse Grundforderungen bezüglich einer bessern, die ge-

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