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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens.
Die Herrn Achinger, Sydow und Benziger legten die Zugendschristensache
allen Anwesenden warm ans Herz und empfahlen die „Volks- und Jugendschriften-
Rundschau" (2 M. jährlich) zum Abonnement. In dieser Frage haben unsere
Mitglieder noch eine Aufgabe zu erfüllen, die leider bisher nur von wenigen
erkannt und gefördert wurde. Von Herrn Rheinen wurden zur Anschaffung
warm empfohlen Lombergs Schillerbuch, Ibachs neue Schrift zur Schulverfassung
und Zahns Schriften, die demnächst von Herrn Rektor Horn herausgegeben, im
Verlage von C. Bertelsmann erscheinen sollen.
Die Jahreskonferenz begann nachmittags 3 Uhr mit einer biblischen
Ansprache von Herrn Pastor Dr. Busch-Elberfeld über 2. Kor. 5, 14, 15 (die
Liebe Christi dringet uns also; sintemal wir halten, daß so einer gestorben ist
für alle, so sind sie alle gestorben). In kurzer, prägnanter Weise wurde der
Grund, das Geheimnis und die Frucht des Kreuzes Christi ge
zeichnet und betont, daß darin allein für den stolzen, selbstgerechten und doch
durch die Sünde tiefunglücklichen Menschen der Quell des Heils beschlossen liege
und kein Moralsystem das Kreuz Christi ersetzen oder verdrängen könne. Die
Versammlung bekannte sich freudig durch Anstimmen der Strophe „Ich bin dein"
zu demselben Standpunkte.
Run führte Rektor Vogelsang-Barmen seine neue Bruchrechenmaschine
vor, die, wie schon in andern Versammlungen, auch hier ungeteilte Anerkennung
fand. Einstimmig nahm man eine Resolution an, daß man in der Maschine
ein sehr geeignetes Veranschaulichungsmittel für die Einführung in das Ver
ständnis der Brüche und das Operieren mit denselben erkenne. Mit Recht wies
Herr Rektor Horn aus den einen großen Vorzug hin, daß man auch den über
1 hinausgehenden Wert veranschaulichen könne.
Den Hauptvortrag hatte Rektor Franzmann - Essen freundlich übernommen
über das zeitgemäße Thema: Kann ohne Schädigung der Volks
sittlichkeit unser christlicher Religionsunterricht durch Moral
unterricht ersetzt werden? Der gediegene Vortrag ist in einem Sonder
druck erschienen und zu 30 Pfg. zu haben; er verdient in den weitesten Kreisen
bekannt zu werden. Es seien hier nur die zusammenfassenden Gedanken aus den
fünf Teilen der Arbeit wiedergegeben: Sozialdemokratie und Vertreter radikaler
Anschauungen haben in Versammlungen und Preßerzeugnissen seit längerer Zeit
immer nachdrücklicher die Forderung erhoben: Weg mit dem Religionsunterricht
aus der Schule! Während erstere überhaupt keinen Ersatz für nötig erachtet,
wollen letztere durch Kunstpstege, Literaturunterricht oder einen besonderen Moral
unterricht den etwaigen Mangel ersetzen. Sieht man sich aber einmal die ver
schiedenen Moralsysteme genauer an, so findet man, daß wahrhaft sittliche Auf
fassung des Lebens von sich selbst aus die religiöse Weltanschauung fordert, weil
man bei Annahme verpflichtender Ideen immer zugibt, daß ein heiliger, göttlicher
Wille die Welt leitet und regieret, ein Wille, dem die Allmacht zu Gebote stehen
muß. Und wenn dann das Unvermögen offenbar wird, die Forderungen der
Ethik zu erfüllen, das Gefühl der Schuld das Herz bedrückt, dann kann nicht
Kunst und Wissenschaft, sondern nur der Glaube, die innere Gewißheit der ver
gebenden und heiligenden Gnade Frieden ins Herz bringen und dem Willen
Kräfte zur Erfüllung der sittlichen Forderungen zuführen.
Ein Blick in die verschiedenen auf naturalistischem Boden erwachsenen Moral
systeme egoistischer und altruistischer Eudämonismus, Positivismus) zeigt, daß sie

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