298 n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Sittlichkeit zusammen gehören. Ein Gefangener, der Lehrer hatte werden wollen
und die christliche Lehre wohl kannte, aber dann alles über Bord warf und mit
der Moral auskommen wollte, war schmählich zu Fall gekommen und begehrte
nun wieder aufrichtig den Trost der Religion. Die Berichte aus Frankreich sind
oft nur Stimmungsbilder, die noch nicht über den Wert oder Unwert des Moral
unterrichts entscheiden können. Auch in unserem Vaterlande müssen wir über den
Verfall der Sitten klagen, trotzdem wir den Religionsunterricht haben; es kommt
eben der Einfluß des Hauses, der Umgebung, der Straße mit in Frage, wodurch
oft die Arbeit des treuesten Lehrers untergraben wird. Daß der Religions
unterricht oft nicht mehr Eindruck macht, dürste in dem zu intellektualistisch ge
haltenen Betrieb desselben einen weiteren Grund haben. Rektor Langhans betont,
daß bei dem religiösen Stoffe auch die ethischen Momente berücksichtigt werden
müssen, wie unser Kaiser mit Recht gefordert habe. Es komme darauf an, nicht
bloß christlich zu reden, sondern auch zu handeln. Herr Achinger glaubt, daß
die Behauptung nicht richtig sei, alle Menschen sähen sich als abhängig von
höheren Mächten an. Der Atheist stelle niemand über, sondern nur neben sich.
Die Moralgesetze kann man sich aus den sozialen Beziehungen der Menschen
herausgebildet denken; durch das Zuwiderhandeln gegen das sittliche Gesetz ent
steht der psychologische Druck. In ihren praktischen Forderungen unterscheiden sich
die eudämonistischen Systeme oft gar nicht so sehr von unseren, die Differenzen
liegen mehr in den Theorien. Res. bleibt demgegenüber bei seiner Behauptung,
daß der Aberglaube gerade in den atheistischen Kreisen ein Beweis sei, daß man
sich fürchte vor einer höheren Macht. Rektor Horn: Wir müffen das Verhältnis
von Religion und Sittlichkeit klar ins Auge fassen. Es gibt eine Ethik, die
ohne Rücksicht auf die Religion ihre Forderungen aufstellt. Wir merken aber
bald, wenn wir sie erfüllen wollen, daß wir es nicht können; so wird uns das
Gesetz ein „Zuchtmeister" zu Christum hin. Bei ihm finden wir Hilfe, und
nun treibt uns die Dankbarkeit, ihm nachzufolgen im Wandel. Rektor Meis:
In Italien hat man Amicis „Herz" dem Moralunterricht zugrunde gelegt, um
vor allem glühende Vaterlandsliebe zu erzielen. In unserem biblischen Geschichts
stoff haben wir einen geradezu klassischen Stoff für alle Beziehungen des Menschen
lebens, und es wäre darum ein Unglück, wenn der Religionsunterricht aus der
Schule entfernt würde. Das scharfe Wort des Pfarrers Bonus über den schul
mäßigen Religionsunterricht soll uns die ernste Mahnung geben, daß wir unseren
Kindern die Religionsstunde lieb und wert machen müffen; es ist doch eine furcht
bare Anklage für uns. wenn die Kinder später kein religiöses Buch mehr an
rühren wollen. Hauptlehrer Rheinen teilt die Meinung eines holländischen
Freundes mit, der seit 40 Jahren an einer religionslosen Schule arbeitet, er sei
doch immer mehr zu der Überzeugung gekommen, daß in dem Leben Jesu und
der Apostel gerade für die Jugend der geeignetste Anschauungsstoff für religiös-
sittliche Belehrungen gegeben sei. Jnstitutsvorsteher Stäbler: Wenn der Religions
unterricht mit Ernst erteilt wird, so bleibt er nicht ohne Frucht. In keinem
Moralsystem finden wir das, was im Worte Gottes enthalten ist. Gut ist es
freilich, wenn wir den religiösen Unterricht nicht nur mit dem Kopfe, sondern
vor allem auch mit dem Herzen erteilen.
Herr Hindrichs erinnert noch an die Fabrische Schrift über den 8608U8
communis, das allgemeine Wahrheitsgefühl. Seien wir selber wahr in unserem
ganzen Wesen, wahr im Unterricht, wahr in der Zucht und knüpfen wir an

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.