Die Bibelfrage in der Gegenwart.
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diesen auch in den Kindern vorhandenen Wahrheitssinn an, so wird unsere Arbeit
nicht vergeblich sein, wenn der Erfolg auch nicht sofort in die Augen springt.
Herr Maag - Elberfeld machte noch Mitteilungen über die Witwen- und
Waisenhilfe, die 1898 vom „Verbände evangelischer Lehrer- und Schulvereine"
ins Leben gerufen wurde, jetzt auf 290 Mitglieder gestiegen ist und bereits ein
Vermögen von über 6900 M. erworben hat. An die Witwen wird eine
Pension von 40 M., an Halbwaisen 14 M. jährlich gezahlt. Es wird dringend
um Beitritt zu dieser Kasse gebeten.
Der Familienabend war von etwa 1000 Personen besucht und nahm
einen erhebenden Verlauf. Unser Ehrenpräses Hauptlehrer Hogeweg hieß die
Versammlung im Namen des Vereins herzlich willkommen und wies darauf hin,
daß wir nichts anderes wollten als das Wohl der uns anvertrauten Jugend zu
fördern, das aber nur in rechter Gemeinschaft mit dem Hause vermöchten. Die
erste Ansprache hielt Herr Pastor v. d. Bruck-Unterbarmen über die Ehegatten,
die zweite Schreiber dieses über die Kinder im Anschluß an Schleiermachers
Wort: „Kinder sind nicht nur freundliche Lichtstrahlen des Himmels und Gottes
grüße, die unser Haus verklären, sie sind auch ernste Fragen aus der Ewigkeit
und schwere Aufgaben für die Ewigkeit." Ernst und Humor vereinigten in ganz
prächtiger Weise die dritte Ansprache von Hausvater und Lehrer Bamberger über
die Dienstboten und die vierte über „Freud und Leid im christlichen Hause" von
Herrn Pastor Niemöller aus Elberfeld; letzterer verstand es trotz der vorgerückten
Stunde durch die eingestreuten persönlichen Erfahrungen und der nieisterhaften
Charakterisierung christlicher Häuser (Luther, Claudius, Elternhaus) die Ver
sammlung bis zum letzten Augenblick zu fesseln. Der Gesang der betr. Strophen
aus Spittas schönem Liede „O selig Haus", sowie prächtiger Chorlieder des
Wupperfelder Kirchengesangvereins unter Leitung des Herrn Beisemann brachten
eine schöne Ergänzung zu den Worten der Redner. Herr Hindrichs schloß mit
einem herzlichen Dankeswort an alle Mithelfer und dem Wunsche, daß der blei
bende Gewinn des Abends sein möge, daß wir wieder recht viele wahrhaft christ
liche Häuser in Stadt und Land bekommen möchten zum Heile der heran
wachsenden Jugend, zum Besten des ganzen Vaterlandes.
Die Bibelfrage in der Gegenwart?)
Einen Segen hat der sonst so leidige Streit um die moderne Theologie,
daß wir gezwungen werden, den alten Fragen nach Bibel und Offenbarung,
nach Religion und Glaubensgewißheit, mit denen wir wohl glaubten schon längst
fertig zu sein, aufs neue unsre ernsteste Aufmerksamkeit zuzuwenden, aufs neue
uns darauf zu besinnen, worauf denn unser Glaube eigentlich ruht. Und auch
den Gewinn versprechen die neuen so leidenschaftlich geführten Verhandlungen,
daß sie geeignet sind, den schlimmsten Feind unsrer Religion, die Gleichgültigkeit
nicht nur der Entfremdeten, sondern auch so vieler für gut kirchlich Geltenden
wirksam zu bekämpfen. In Berlin ist nun im vorigen Winter von angesehenen
9 Die Bibelfrage in der Gegenwart. Fünf Vorträge von v. Klostermann,
Dr. Lepsius, v. Haußleiter, D. Müller-Erlangen, 0. Lütgert. Berlin 1905. Fr. Zi-
lessen. 116 S.

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