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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Hunderte, Jahrtausende von Abschreibern vervielfältigt worden ist, so daß es uns
jetzt in Hunderten voneinander abweichenden Handschriften vorliegt, hätte nur
durch ein fortgesetztes Wunder fehlerlos sein können. Dies Wunder aber ist
nicht geschehen. Denn jeder Kenner der handschriftlichen Überlieferung weiß, daß
der Text des Alten und Neuen Testamentes tatsächlich in einer Form vorliegt,
die eine Fülle von Fehlern und Varianten aufweist, ja in großen Partien an
schwerer Textverwirrung leidet. Daher hat auch niemand unter uns einen Bibel
text im Gebrauch, der nicht schon aus einer philologischen Bearbeitung der hand
schriftlichen Überlieferung hervorgegangen wäre. Es gibt biblische Bücher, deren
Text leidlich gut erhalten ist, und solche, deren Text schlecht erhalten ist." — „Offen
barung will auch nicht sagen, daß die Verfasser biblischer Bücher unfehlbar ge
wesen seien. Kein Prophet und Apostel ist je ein solcher Narr gewesen, sich, wie
der Papst, für unfehlbar zu halten. Unfehlbarkeit gibt es bei Menschen nicht,
aber es gibt Gewißheit, es gibt göttliche Gewißheit."
So weit die fünf Vorträge. Die hier kurz angedeuteten Probleme sind
aber so groß und ernst, daß wir sie in einem grundsätzlichen Zusammenhange
noch einmal näher zu erörtern haben. Davon im nächsten Hefte mehr.
von Rohden.
Der dritte reUgwnöwrffenschafttiche Ferien-
kursuö in Bonn.
Zu Beginn des Kursus fand eine Begrüßungsfeier statt, in der der Vor
sitzende des Kursus, Rektor Kessel-Mülheim am Rhein, die Anwesenden herzlich
willkommen hieß und unter allgemeiner Zustimmung noch einmal feststellte, was
zur Einrichtung dieser Kurse angetrieben habe und noch antreibe. Er sagte:
„Was diese Kurse ins Leben gerufen hat, das ist in erster Linie das Streben
der Lehrerschaft nach Weiter- und Fortbildung, vornehmlich mit dem praktischen
Zwecke der Verwertung und Verwendung im Unterrichte. Es ist dann aber
auch — und wahrlich nicht an letzter Stelle — das uralte Bedürfnis nach Re
ligion, das, wie Prof. Weinet sagt, im Menschen überhaupt nicht untergehen
kann, das nach Herbarts Worten viel zu stark ist und sich immer aufs neue
erzeugt, so daß man immer gern ergreift, was religiöse Befriedigung erzeugen
kann!"
Das Programm umfaßte folgende Vorträge:
1. Professor Meyer-Zürich (früher Bonn): Der dritte Artikel (Fortsetzung
der früheren Vorträge über den zweiten Artikel des Apostolikums).
2. Profeffor Böhmer-Bonn: Luther im Lichte der neueren Forschung.
3. Professor Sell-Bonn: Schiller nach ethischen und religiösen Gesichtspunkten.
Für jedes Thema waren sechs Stunden Vortragszeit angesetzt. Abends
schlossen sich eingehende Besprechungen daran, um das Gebotene für das Ver
ständnis und die Schulpraxis recht fruchtbar zu machen. Außerdem hatten sich
die Kursusteilnehmer an der Hand der von den Herren Dozenten angegebenen
Literatur für die Vorträge vorbereiten können. Und da endlich sämtliche Vor
träge demnächst in Druck erscheinen werden, wie es auch bei den früheren Kursen
der Fall gewesen ist, so hat die Lehrerschaft ein weiteres Mittel, um das Ge-

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