Rundschau.
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trennt, macht sie diese fast täglich auf ihre Verschiedenheit in religiöser Hinsicht auf
merksam. Sie ist daher nicht geeignet, die konfessionellen Gegensätze zu mildern, son
dern trägt vielmehr unter Umständen noch zu ihrer Verschärfung bei. 2. Die Ver
schiedenheit im religiösen Bekenntnis steht dem so notwendigen Vertrauen zwischen den
an der Schule beteiligten Personen — Eltern, Lehrern, Schülern. Schulvorstehern —
hindernd im Wege. 3. Der Religionsunterricht wird aus seiner zentralen Stellung im
Gesinnungsunterricht herausgerissen und isoliert. Dadurch wird die Einheitlichkeit im
Gesinnungsunterricht zerstört und der Religionsunterricht in seiner unterrichtlichen und
erziehlichen Bedeutung wesentlich geschädigt, wie auch der übrige Gesinnungsunterricht
auf die befruchtende Wirkung des Religionsunterrichts verzichten muß. 4. Der Unter
richt in der Geschichte, in der Literatur und im Gesang muß auf wertvolle Stoffe ver
zichten und wird zudem noch durch die den Lehrern auferlegte Rücksichtnahme auf die
Verschiedenheit der Konfession der Schüler in seiner Wirkung beeinträchtigt. 5. Die
einheitliche Gestaltung der Schulandacht macht Schwierigkeiten. 6. Die Simultanschule
verleitet zur Einrichtung großer Schulsysteme und leistet damit auch der Trennung der
Geschlechter Vorschub. Sie fördert also Schuleinrichtungen, denen vom pädagogischen
Standpunkte aus große Bedenken entgegenstehen. II. Wenn wir nun auch aus natio
nalen und pädagogischen Gründen der Konfessionsschule den Vorzug vor der Simultan-
schule'geben müssen, so sprechen wir uns doch entschieden gegen die zwangsweise
Einführung der konfessionellen Schule aus, wie wir selbstverständlich auch die Zwangs
simultanschule verwerfen. Wir fordern vielmehr, daß bei der konfessionellen Ge
staltung der Schule nach dem Prinzip der Gewissensfreiheit und unter möglichster
Berücksichtigung der Elternrechte verfahren werde. 111. Als Freunde der Konfessions
schule erstreben wir eine Beseitigung der Mängel, mit denen diese bisher behaftet war.
Wir bekämpfen daher den Memorier-Materialismus, verwerfen den isolierten Kate
chismusunterricht und treten mit aller Entschiedenheit für Beseitigung der noch an
manchen Orten bestehenden Ortsschulaufsicht der Geistlichen ein.
Nach lebhafter Besprechung wurde einstimig beschlossen, die volle
Gleichberechtigung der simultanen mit der konfessionellen Schule
zu fordern.
Verhandlung über die Gehaltsfrage. Am 16. Mai beriet das Abgeordneten
haus über den Antrag seiner Unterrichtskommission: „die Regierung zu ersuchen, be
hufs Beseitigung unbilliger Ungleichheiten a) in der Belastung der verschiedenen Schul
verbände und in dem Diensteinkommen der Lehrer in das zu erwartende Volksschul
unterhaltungsgesetz Bestimmungen aufzunehmen, durch die eine wirksame Entlastung
der überlasteten leistungsschwachen Verbände herbeigeführt wird, b) nach Durchführung
der Neuordnung der Schulunterhaltungspflicht ohne Verzug eine Revision des Lehrer
besoldungsgesetzes vorzunehmen, o) bis dahin durch angemessene Erhöhung des für
diesen Zweck angesetzten Dispositionsfonds die Beseitigung der größten Härten zu er
reichen."
Zu diesem Kommissionsantrag lagen drei Einzelanträge vor: 1. Abg. Freiherr
von Zedlitz (frk.) beantragte, „Absatz c zu streichen und dafür die Regierung aufzu
fordern, bis zur Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes durch eine Novelle zum Schul
unterhaltungsgesetz dafür zu sorgen, daß das Grundgehalt für erste und alleinstehende
Lehrer auf 1200 M., für alle übrigen Lehrer auf 1100 M. und für Lehrerinnen auf
900 M. erhöht werde, daß der Mindestbetrag der Dienstalterszulagen auf 130 M. für
Lehrer und 100 M. für Lehrerinnen festgesetzt werde, und daß die dazu erforderlichen
Mehrausgaben aus der Staatskasse ersetzt werden, soweit sie dadurch die Leistungen
der Gemeinden für die Volksschulen auf mehr als 50 Prozent des Vollertrages an
Staatseinkommensteuer erheben. Für den Fall der Ablehnung dieses Antrages be
antragte Freiherr v. Zedlitz, den Dispositionsfonds im nächsten Haushaltsetat von
200000 M. auf 5000000 M. zu erhöhen."
2. Abg. Ernst (freis. Verein.) beantragte, an Stelle der Absätze 5 und c des
Kommissionsantrages zu setzen: „Von der Regierung gleichzeitig mit dem Schulunter
haltungsgesetzentwurf eine Vorlage zu fordern, durch welche die entsprechenden Para
graphen des Lehrerbesoldungsgesetzes geändert werden, daß das Grundgehalt für
Lehrerstellen nicht weniger als 1350 M. und für Lehrerinnenstellen nicht weniger als
1050 M. betragen darf, und daß ferner die Alterszulagen für Lehrer jährlich auf
150 M, steigend von 3 zu 3 Jahren um je 150 M., bis auf jährlich 1350 M., für

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