Das Universitätsstudium der Volksschullehrer.
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Aufgabe dieses Berufs." Prof. Nein (Jena) stellt den Königsberger Be-
schlüsien mit Nachdruck den Satz gegenüber: „Die Universitäten sind in ihrer
gegenwärtigen Berfassung vollständig ungeeignet für die Ausbildung der
Bolksschullehrer." Prof. Gunkel (Berlin) nennt jenes Ziel „eine Utopie, schon
aus pekuniären Gründen. Ich bedaure die Aufstellung dieses Ziels, weil ich
fürchte, sie werde für die Gegenwart die Erfüllung auch der berechtigten Wünsche
der Lehrer erschweren." Und Geheimrat Prof. Osk. Jäger (Bonn) weist mit
eindringlichen Worten auf die Vorteile hin, die der jetzt gebräuchliche Ausbildungs
gang der Lehrer bietet: „Die Einfachheit und daraus entspringende Sicherheit
der Vorbildung des Volksschullehrers erachte ich für ein hohes Gut, um das ich
während meines langen Lehrerlebens Sie oft zu beneiden Ursache hatte. Die
Volksschullehrer würden, wenn sie Universitätsbildung und -Vorbildung erstrebten,
meiner Meinung nach ein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht eintauschen."
Jene Beschlüsse der Königsberger Lehrerversammlung sind einem unfrucht
baren Radikalismus entsprungen, und es ist erfreulich, daß sie hier von kom
petenten Beurteilern offen als das hingestellt werden, was sie in Wirklichkeit
sind: eine bedauerliche Verirrung, die dem Lehrerstand keineswegs zum Nutzen
gereicht.
So energisch man die Aus bildung der Volksschullehrer von der Universität
abweist, so ist man doch andrerseits der Überzeugung, daß ihnen zu ihrer Fort
bildung die Hochschule nicht verschlossen sein soll. Mehrere Professoren — wie
z. B. Rein und Detmer in Jena, Busse (Königsbergs Witkowski
(Leipzig) — treten dafür ein, sie allen Lehrern zu öffnen, die Mehrzahl ist
dafür, daß, ähnlich wie es in Leipzig, Jena und Gießen bereits geschieht, einer
Auswahl der bestbeanlagten und strebsamsten Lehrer die Möglichkeit eines regel
rechten akademischen Studiums gewährt werden möge. Die sächsische und hessische
Einrichtung, nach der diejenigen Lehrer, die vorzügliche Prüfungszeugnisse er
worben haben, die Universität beziehen und am Ende ihrer Studien eine Abschluß
prüfung ablegen können, wird dabei wiederholt ausdrücklich als vorbildlich hin
gestellt, so von den Professoren Lamprecht, Ratzel und Volkelt in Leipzig,
Gunkel, Paussen und Ziehen in Berlin, Collin und Hansen in
Gießen, Martius und Wolfs in Kiel, Bernheim in Greifswald, Braune
in Heidelberg, Eucken in Jena. Sieveking in Marburg.
Daß gutbefähigte Volksschullehrer die nötige Reife haben, um mit Erfolg
am akademischen Unterricht teilzunehmen, wird allgemein anerkannt. Es ist be
merkenswert. wie bestimmt eine große Anzahl von Professoren den Erfahrungen,
die sie in dieser Hinsicht gemacht haben, Ausdruck geben, wie warm sie den
Bildungseifer solcher Volksschullehrer anerkennen und deshalb befürworten, daß
ihnen die Universitäten entgegenkommen möchten. Prof. Witkowsky sagt, daß
die studierenden Lehrer, die im Laufe von fünfzehn Jahren an seinen Vorlesungen
und Übungen über deutsche Sprache und Literatur teilgenommen haben, im
Durchschnitt in bezug auf Fähigkeiten und Leistungen seinen andern Schülern
mindestens ebenbürtig waren, und daß er häufig habe feststellen können, daß
Lehrer an geistiger Reife und Ernst des Strebens den übrigen Studenten vor
zuziehen seien. Gleich günstig urteilt Prof. Volkelt; er rühmt, daß die stu
dierenden Lehrer „sich nicht nur durch besonders fieißigen Vorlesungsbesuch, an
dauerndes Interesse und tüchtiges Arbeiten auszeichnen, sondern daß auch eine
ungewöhnlich große Zahl unter ihnen es zu wertvollen wissenschaftlichen Leistungen

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