III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
311
hingewiesen. Die beiden genannten Hefte enthalten neben zahlreichen Mitteilungen,
Berichten, Beurteilungen drei sehr instruktive Abhandlungen: 1. Beeinflussung des
Seelenlebens durch Taubheit von Paul Riemann, 2. Über Kinderspiel und Kinder
spielsachen von Chr. Ufer, 3. Der Blinde. Eine physio-psychologische Betrachtung von
G. Fischer. Mülheim a. d. Ruhr. — A. Lang.
Verschiedenes.
Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftslehre in der Schule. Stoffe und Betrachtungen
zur Ergänzung des Geschichtsunterrichts von Ad. Bär, Seminarlehrer in Weimar.
Gotha 1902, Verlag von E. F. Thienemann. Brosch. 3 M., geb. 3,50 M.
Die im vorliegenden Werke vereinigten 19 Aufsätze werden von der Grundanschauung
getragen: „Die Wirtschaftsgeschichte ist nur eine Seite des nationalen Lebens, neben
Sprache, Kunst, Wissenschaft, Religion, Sitte, Recht und Staat, und darum muß sie
auch in diesen Beziehungen betrachtet und erforscht werden." In den vier ersten Ab
schnitten werden an der Wanderung der Jndogermanen und Westgermanen und ihrer
Ansiedelung eine Reihe wirtschaftlicher Grundbegriffe (Bedürfniffe, Arbeitsgemeinschaft
und Stellung, Produktion, Konsumtion u. a.), Entstehung des Eigentums, Nutzung und
Genuß, Sozialismus und Kommunismus u. a. m. klar zu machen gesucht. Die fol
genden Kapitel behandeln Gütererzeugung und Güterveneilung, Gemeinbedürfniffe
und -guter, Wirtschaft und Recht, öffentliche Einrichtungen und Dienste, Altertum und
Gsgenwart. Der 2. Hauptteil bringt interessante Ausführungen über die Sprache als
Quelle der Geschichte, die Mühle, das wirtschaftliche Volkslied, aus den Märchen von
den Schneidern, Kriemhild fertigt ihrem Bruder Günther die Kleider, das Lehnwort,
was die Flur-, Orts- und Familiennamen aus der Wirtschaftsgeschichte erzählen, und
endlich Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten wirtschaftlichen Inhalts. — Man
merkt es dem Buche an, daß sein Verf. sich mit lebendiger Teilnahme diesen Fragen
gewidmet hat, und darum kann jeder Leser darin reiche Belehrung finden, wenn auch
naturgemäß mancher Stoff vielleicht weniger anziehend wirkt.
Wie man in den entlegensten Gegende»^ praktischer Sozialpolitiker werden kann.
Wahrheitsgetreu erzählt von I. H. Schütz. Mainz 1904, Verlag der Druckerei
Lehrlingshaus. 0,50 M.
Das kleine Schriftchen ist von dem ehemaligen katholischen Pfarrer und derzeitigen
Rektor Schütz in Eöln-Ehrenfeld verfaßt; es ist ein lesens- und beherzigenswerter Bei
trag. wie man in einem armen Landdorfe (Herr Sch. war Pfr. in dem Westerwald
dörfchen Kurtscheid) durch Verwertung der Rohprodukte und Schaffung von Arbeits
gelegenheit der Wohltäter einer ganzen Gegend werden kann. Begründung von Heim
industrie und Bildung der „Westerwald-Obstverwertungsgesellschaf" haben den Namen
des warmherzigen Geistlichen zu großem Ansehen gebracht.
Ter kleine Heinrich. Ein Waisenknabe aus dem Westen und eine Ansiedlergestalt aus
der deutschen Ostmark. Zur Erläuterung einer sozial-pädagogischen und nationalen
Aufgabe des deutschen Volkes. Von Heinrich Sohnrey. Berlin, G. H. Meyer.
0,15 M.
Unser wackerer Kollege a. D. Sohnrey kämpft bekanntlich in seinen vielgelesenen
Zeitschriften („Das Land" und „Deutsche Dorfzeitung") und Büchern für das Land und
seine Förderung gegenüber dem Zuge in die Stadt, der meist gleichbedeutend ist mit
dem Sinken ins Proletariat bei vielen. Der kleine Heinrich ist ein armer Junge aus
Frankfurt a. M-, den S. gelegentlich eines Besuches in Neuzedlitz, einem Heim des
„Evang. Vereins für Waisenpflege in der Provinz Posen", kennen lernte und der ihm
nun Veranlassung gibt, ein kräftiges Wörtlein einzulegen für die Unterbringung von
Waisenkindern oder sittlich gefährdeten Kindern in solchen Heimen oder zuverlässigen
Familien der Ostmark, um sie zu Pionieren des Deutschtums zu erziehen.
Benjamin Raule, der General-Marinedirektor des Großen Kurfürsten. Ein vater
ländisches Zeit- und Charakterbild von Professor vr. Otto Richter. Berlin, Clu-
dius und Gaus. 3 M.
Das mächtige Erstarken unserer deutschen Flotte lenkt auch die Blicke wieder mehr
auf die Vorgeschichte unserer Marine und damit besonders auf die Bestrebungen des
genialen Friedrich Wilhelm, sich eine Flotte zu schaffen, um seinem Worte gegenüber
den Seemächten mehr Nachdruck zu verschaffen. Einen verständnisvollen Helfer fand er

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.