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I. Abteilung. Abhandlungen.
es sich wirklich immer nur um Kleinigkeiten handelt, ob z. B der authentische
Wortlaut des Vaterunsers, der uns in Luk. 11, 2—4 nach dem Grundtext doch
recht ziemlich anders als in Matth. 6 überliefert ist, oder die Unechtheit von
Mark. 16, 9—20, Joh. 8, 1—11 oder der berühmten Beweisstelle für die Drei
einigkeitslehre 1. Joh. 5, 7 u. 8, so ganz nebensächlich ist — so ist mit der
Vertröstung auf die Widerlegung der negativen Kritik durch die positive doch
denen nicht geholfen, die eben von der Schriftgelehrtheil in ihrem Glauben
unabhängig sein wollen! Wo ist denn, sagen sie, der Maßstab für die Unter
scheidung der Haupt- und Nebensachen? Fängt man einmal an, Nebensachen und
Kleinigkeiten der Kritik preiszugeben, wo ist da die Grenze?! Welcher noch so
gelehrte und fromme Mensch hat dem göttlichen Wort gegenüber das Recht,
Haupt- und Nebensache voneinander zu scheiden? Gibt man das Recht solcher
Unterscheidung im Prinzip zu, so ordnet man damit ja sofort wieder die Frömmig
keit der Gelehrsamkeit unter! Muß die Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift in
diesem oder jenem Punkte von den Textkritiken und Auslegern erst bewiesen
werden, so ist sie eben damit hinfällig geworden, weil in den Fluß mensch
licher Arbeit und sich gegenseitig bestreitender. Beweisführungen hineingezogen.
Kann die Authentie des Bibeltextes nicht als ein unantastbares Axiom, als ein
des Beweises nicht bedürftiger Glaubenssatz verstanden werden, so wird sie für
den, einen gewissen Grund fordenden, Glauben überhaupt unbrauchbar.
Daher sind auch alle so beliebten und an sich wohl berechtigten Umformungen
der alten Jnspirationslehre jenem frommen Grundbedenken gegenüber wirkungslos.
Mag man statt der Wortinspiration die S a ch inspiration einführen, mag man
deuten, nicht der Text der Bibel ist inspiriert, sondern die heiligen Schriftsteller
waren „vom Heiligen Geist getrieben", also inspiriert; alle solche und andere Ab
milderungen und Vergeistigungen des mechanischen Jnspirationsbegriffs helfen dem
nichts, dem es sich um die Frage handelt: Habe ich einen unbedingt zuverlässigen
Schrifttext oder nicht, habe ich in jedem Bibelwort Gottes Wort oder nicht?
„Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn?"
Ich meine also, man tut von apologetischer Seite nicht wohl, die Schwierig
keit der Sachlage zu verschleiern; gestehe vielmehr, daß der heftige, um nicht zu
sagen fanatische Widerspruch gegen alle und jede Einschränkung und Modifizierung
des Jnspirationsdogmas, wie er uns in den letzten Jahrzehnten von Zeit zu
Zeit in den verschiedenen deutschen und schweizerischen Gebieten — im Kampf
z. B. um Kier-Tondern, Kinzel-Basel und um Lepsius entgegentritt, mir sympa
thischer ist, als die Verdunkelungen und Abschwächungen, die eine ängstliche
Apologetik dem zarten Lebensproblem unserer Kirche immer wieder angedeihen
läßt. Man sollte vielmehr, statt die Fatalität zu vertuschen, ihr voll ins Ge
sicht sehen, man sollte die aus dem Fortschritt der Erkenntnis sich notwendig er
gebende Gefährdung des Glaubens als wirkliche Not empfinden lernen. Erst

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