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I. Abteilung. Abhandlungen.
Schrift Christum „in uns verklärt". Nicht um ein „Dogma" von der Heiligen
Schrift handelt es sich, — was man so nennen könnte, ist nur ein Versuch, die
Tatsache zu verstehen, die durch die Jahrtausende hindurchgeht. Von dieser
Tatsache leben wir alle, wir Theologen nicht minder als der
ungebildetste Christ, daß von dem Schriftwort, genauer von
der darin sich einen Leib schaffenden göttlichen Offenbarung,
eine Kraft ausgeht, welche selig machen kann. Aus dieser
Gesamtwirkung der Schrift, näher des Evangelirrms, das in
ihr befaßt ist, noch näher des Christus, der selbst das Evan
gelium ist, lebt wie der Einzelne, so die ganze Gemeinde
Christi. Das ist die eine große Hauptsache".
Diese Haupt'scheu Ausführungen über Offenbarung habe ich etwas ein
gehender wiedergegeben, weil ich hoffe, daß sie bei der großen Mehrzahl der
Schulblattleser, auch wenn sie theologisch weit voneinander abweichen, Verständ
nis und Zustimmung finden, so daß sie einen geeigneten Boden für die Ver
ständigung über die uns bewegenden Fragen und Nöte abgeben können. Wenn
wir uns in diesem Gedankengange zusammenfinden, haben wir eigentlich schon
die Antworten auf die Frage nach Bibel und Inspiration, nach der rechten
Grenze von Glaube und Unglaube. Wir können nun die alte Fragestellung:
„Ist die Bibel Gottes Wort?" dem Sinne nach freudig bejahen,
wenn wir auch die Form der Fragestellung beanstanden. Denn die Bibel ist
nicht Gottes Wort in jenem alten äußerlichen, mechanischen Sinne, als ob jeder
Buchstabe als Diktat des Heiligen- Geistes uns gewährleistet wäre — so bequem
hat uns Gott nun einmal die Grundlegung unseres Glaubens nicht machen
wollen, sondern die Bibel ist uns, den Gläubigen, Gottes Wort, insofern
wir durch sie und in ihr Gott mit uns reden hören, insofern wir aus ihr
Gottes strafendes und tröstendes, richtendes und aufrichtendes, kräftiges und
lebendiges Wort vernehmen und uns zu Herzen gehen laffen. Sie offenbart
uns Gott, weil und in dem Maße, sie „Christum treibt" wie Luther sagt.
Sie ist uns nun nicht mehr ein Gesetz des Buchstabens, sondern ein Organ des
lebendigmachenden Geistes. Indem wir die vom Geiste Gottes ergriffenen und
erfüllten Propheten und Psalmisten. Evangelisten und Apostel durch die Heilige
Schrift in unsern Umgang hineinziehen oder vielmehr in den Umgang dieser
Gottesmenschen hineingezogen werden, gewinnen wir ein persönliches Verhältnis
zur Gottesoffenbarung. An ihren Wirkungen, nämlich daß sie uns eben in
Beziehung zu Gott bringt, daß sie uns innerlich richtet und rettet, erfahren wir
ihre göttliche Kraft. Haben wir diese aber erfahren, hat uns Gott etwas von
sich durch die Bibel wirklich offenbart, so kümmern uns alle mühsamen theolo
gischen Beweise für oder gegen die Inspiration nicht mehr; das Jnspirations-
dogma ist dann nicht mehr der Grund unseres Glaubens; nicht mehr um des

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