Das Universitätsstudium der Volksschullehrer.
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Monatsschrift" und die des Prof. Wolfs im „Tag" soll im folgenden noch etwas
näher eingegangen werden. Man wird dann erkennen, daß es diesen Herren
nicht darum zu tun war, lästige und vordringliche Streber abzustechen, sondern
daß sie als gute Freunde warnen und beraten wollen?)
1. Professor Rein:
Die Königsberger Sätze sind, wie es scheint, beschlossen worden wesentlich
mit Beziehung auf die Hebung des Standes, seine (Reins) Thesen sind nieder
geschrieben zunächst mit Rücksicht auf das Wohl und das Gedeihen der Volks
schulen und dann erst unter Berücksichtigung der Staudesinteressen. Nach jenen
Beschlüssen soll die Volksschullehrerbildung verlaufen wie die der Juristen, Me
diziner, Theologen und Philologen: also Absolvierung einer neunklassigen höheren
Schule, sodann Universitätsbesuch, Staatsprüfung, Anstellung im Volksschuldienst.
Das bedeutet einen völligen Bruch mit allen Überlieferungen und bisherigen
Entwicklungen des Ganges der Lehrerbildung, es birgt die Gefahr in sich, daß
alles Errungene auf dem Gebiet der Volksbildung in Frage gestellt wird. Die
Gleichstellung mit andern höheren Berufen erinnert stark an Schablonentum. Auch
müßte untersucht werden, ob dieser Bildungsgang ein so idealer sei, daß man
ihn ohne weiteres auf die Bildung der Volksschullehrer übertragen solle. Eine
Kritik des Bildungsganges der Oberlehrer macht das vielmehr recht zweifelhaft.
Stehen die Lehrer der Gymnasien an pädagogischem Takt, an Liebe zur Jugend,
an methodischem Geschick so viel höher, als die Lehrer der Volksschulen? Die
besten Lehrer sind doch die, die mit gründlichen Kenntnissen Charakter verbinden,
die ihr ganzes Herz in ihre Tätigkeit legen, ihren Beruf wirklich lieben. Es
ist die ausschlaggebende Seite des Lehrerberufes, die von den Seminaren zu
pflegen ist, dem Wissen die praktische Richtung auf die Erziehung der Jugend
zu verleihen, wodurch es nicht an Würde verliert, sondern vielmehr gewinnt, da
es dem Leben dienstbar wird. Aber dieser Aufgabe sind die Seminare wenig
gerecht geworden; durch kasernenmäßiges Wesen und Drill, durch kirchlichen
Memoriermaterialismus, durch Engherzigkeit haben sie mehr Leben erstickt als
geweckt.
Doch sind die Seminare auf dem besten Wege, sich zu außerordentlich
leistungsfähigen höheren Schulen auszubilden: 1. durch bessere Ausrüstung der
Seminaristen mit einer tüchtigen Allgemeinbildung, 2. durch Ausgestaltung des
Seminars zu einer pädagogischen Fachanstalt, 3. durch bessere Vorbildung der
Seminarlehrer aus der Universität. Die letzte Seminarreform in Preußen be
deutet einen so großen Fortschritt, daß es schwer begreiflich ist, wie man angesichts
solcher Errungenschaften mit einem Satz die Existenz dieser Anstalten in Frage
stellen kann. Was den Seminaren allerdings jetzt noch vielfach fehlt, ist ein
tüchtiges, gut vorbereitetes Lehrerkollegium. Dafür haben die
x ) Wir geben diese Auslassungen im Auszuge, der Kürze wegen die Hauptgedanken
zusammenfassend, unter Wahrung des gedanklichen Zusammenhanges, die direkte Wieder
gabe ist nicht besonders kenntlich gemacht.
2 ) Diese lauten: „1. Die Universitäten sind in ihrer gegenwärtigen Verfassung
vollständig ungeeignet für die Ausbildung der Volksschullehrer, wohl aber erscheinen
sie als Zentralstätten wissenschaftlicher Arbeit dazu berufen, der Fortbildung der Lehrer
zu dienen.
2. Jeder Lehrer soll auf Grund seines Seminarabgangszeugnisses an jeder Uni
versität immatrikuliert werden können, wie dies bereits an vielen Universitäten der
Fall ist. .

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