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I. Abteilung. Abhandlungen.
Übersetzung berührt auch irgendwie den Sinn des Originals, und wir Deutschen
haben tatsächlich ein anders gefärbtes, ein durch ein anderes Medium hindurch
gegangenes Gotteswort als die Griechen, Franzosen und Engländer.
An diesen uns beim ersten Überlegen vielleicht peinlichen Gedanken müssen
wir uns nun einmal gewöhnen, daß wir eben in unserer armen Menschensprache,
unsern menschlichen, unzureichenden Ausdrücken und Bildern von dem erhabenen
Gott sprechen, also in durchaus unzulänglicher Weise seine Gedanken und sein
Wesen in unsre beschränkte, diesseitige Vorstellung zu fasten suchen, daß all
unser Reden von Gott nur ein Stammeln ist, wie ein Kind sich bemüht, etwas
auszudrücken, was es wohl fühlt und wovon es bewegt wird, was es aber noch
nicht soweit geistig beherrscht, um es in die angemestenen Worte zu kleiden. Das
Zugeständnis sollte freilich einem frommen Christen eigentlich nicht schwer fallen,
da doch die Bibel voll ist von solchen Zeugnisten demütiger Anerkennung der
Unzulänglichkeit und Inadäquatheit menschlichen Redens und Denkens in Bezug auf
göttliche Dinge! Und wenn der Sänger sich „tausend Zungen und einen tausend
fachen Mund" wünscht, um Gottes Lob zu verkünden, so meint er das doch gewiß nicht
bloß quantitativ, sondern er ist von dem Ungenügenden unserer stammelnden
Zunge dem großen Gott gegenüber aufs tiefste bewegt. Warum sollten wir
uns also aus die unbescheidene Vorstellung versteifen, daß wir die absolute Wahr
heit über Gottes Wesen, Rat und Wirken in menschlicher Rede und Sprache, in
bestimmt formulierten dogmatischen oder katechismusmäßigen Definitionen und
Ausdrücken schon fertig besäßen, daß wir bereits Inhaber der alles Denken über
steigenden Wahrheit sein müßten, nicht aber mehr Forscher und Sucher sein
dürften? — Machen wir uns aber diese mit unserer menschlichen Beschränktheit
nun einmal notwendig gegebene Tatsache klar, daß wir überhaupt nicht imstande
sind, Gottes eigentliches Wesen in unsere Vorstellung und Sprache zu fasten,
daß Gott, so sehr wir mit unserm Gefühl, mit unserm innern Schauen auch
seiner unmittlbar gewiß werden sollen und können, für das reflektierende Denken,
solange wir auf Erden wallen, stets ein Problem bleiben wird, — nun, dann
stellen wir uns eben zu den Fragen der Kritik, auch der Kritik an dem über
lieferten Dogma, d. h. dem menschlichen Versuche, Unsagbares zu sagen, ganz
anders, als wenn wir dieses als abgeschlostenen Inbegriff der absoluten Wahrheit
ansehen und gesetzlich fixieren. Von dem Wahn, daß die menschliche Vernunft
Gott theoretisch wirklich erkennen und beweisen könne, hat Kant die denkende
Menschheit ein für allemal befreit, (vgl. Aprilheft S. 161 ff.) und so unbequem es
auch für uns ist, daß infolgedeffen viele Vorstellungen Probleme geworden sind
oder noch werden, die uns bis dahin mit der höchsten Autorität festzustehen
schienen, so segensreich wird uns durch diese Einsicht in die Schranken des
menschlichen Denkens erst der Blick für das Wesen des Evangeliums und der
göttlichen Offenbarung, der Religion überhaupt, eröffnet. Sie ist eben keine
theoretische, sondern eine praktische Angelegenheit des menschlichen Geistes. Wir

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