Ein Urteil über die Entwickelungslehre als Unterrichtsgegenstand. 333
Das lue der Entwickelungslehre keinen Abbruch, aber es folge daraus, daß
man sie nur dann in der Schule lehren dürfe, wenn man diesen ihren Charakter
festhalte. Es müsse ferner der Schüler damit bekannt gemacht werden, daß sich
ein bedeutsamer Umschwung von der darwinistischen Zufallslehre zu der Lehre
von der Zielstrebigkeit und Planmäßigkeit in der Naturentwickelung vollzogen
habe. Diese neuere Auffassung widerspreche der materialistischen und rein
mechanistischen Weltanschauung. D. warnt eindringlich davor, die Entwicklungs
lehre für eine bestimmte Weltanschauung auszubeuten.
Dieser letzte Punkt erscheint uns außerordentlich wichtig. Ein furchtbareres
Verhängnis kann es für die Schulerziehung nicht geben, als wenn sich der
naturwissenschaftliche Unterricht in Widerspruch setzt gegen den Religionsunterricht;
ein Gegensatz, den Dodel mit dem Worte: „Moses oder Darwin" geprägt hat.
Es kann nicht zweifelhaft sein, wer bei diesem Widerstreit in den jugendlichen
Köpfen den Sieg davon trägt. Wir stimmen D. zu, wenn er sagt: „In
Sachen der Entwickelungslehre ist ein Gegensatz zwischen Religions- und Natur-
geschichtsstunde durchaus zu meiden. Dazu ist die beiderseitige Erkenntnis un
bedingt nötig, daß Gottesglaube und Entwickelungslehre sich nicht ausschließen."
Hier ist das „beiderseitig" zu betonen. Man darf sich auch in kirchlichen
Kreisen der Einsicht nicht verschließen, „daß der christliche Glaube die Ent
wickelungslehre ebensowenig zu fürchten hat, wie seinerzeit die kopernikanische
Lehre."
Derartige Äußerungen von berufener Seite sind gerade in der genannten
Zeitschrift sehr schätzenswert; denn hier ist uns wiederholt der darwinistische
Standpunkt der Mitarbeiter aufgefallen. Daß die Schriftleitung selbst davon
entfernt ist, für diese einseitige und von der Wissenschaft überholte Form des
Evolutionismus Propaganda machen zu wollen, erhellt auch aus der Ver
öffentlichung einer Arbeit von Prof. Reinke in Kiel (Natur und Schule, I, 8).
Dieser äußert sich in demselben Sinne wie Dr. Dennert; mit Rücksicht auf die
wissenschaftliche Bedeutung dieses Forschers sowie auf die in diesem Aufsatz ge
gebene Übersicht über die Hauptgegner der Darwinschen Hypothese sei ein Teil
desselben im Zusammenhange mitgeteilt.
„Gerade die Anpassungserscheinungen sind es, die sich als Objekte
deß biologischen Unterrichts eignen, da sie, wie kaum andere, uns einen tiefen
Blick in die Wunderwerke der Natur tun lassen. Der Lehrer braucht nur zuzu
greifen ; Tierreich wie Pflanzenreich schütten ein reiches Füllhorn der interessan
testen Erscheinungen vor ihm aus; und eine richtige Auswahl zu treffen, dürfte
so schwierig nicht sein. Nur sei der Lehrer vorsichtig in allgemein-theo
retischen Erörterungen, in Aussagen über die Ursachen der Anpassungen.
Je mehr sich jemand fachmännisch mit diesen schwierigen und meist noch ganz
dunklen Fragen beschäftigt hat, um so behutsamer ist er in seinem Urteil. Als
bewiesen kann keine der in Betracht kommenden Hypothesen gelten, und mit vollem
Rechte ist auf der XI. Hauptversammlung des „Vereins zur Förderung des
Unterrichts in Mathematik und in den Naturwissenschaften" zu Düsseldorf (1902)
ausgesprochen, daß gerade der Fachmann im Gegensatz zu der oft recht wenig
gewisienhaften populären Literatur sich den spekulativen Fragen der Biologie
gegenüber meist einer viel größeren Zurückhaltung befleißigt, als der, welcher
aus zweiter Hand schöpft. Das gilt sowohl hinsichtlich der Anpassungen, der
Zweckmäßigkeit der Organismen, wie auch hinsichtlich der Entstehung der

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