Ein bedeutsames Jubiläum evangelischer Jugendfürsorge. 335
„Volksschule und Armee". So wenig umfangreich der Artikel ist — er umfaßt
nur 1 1 /2 Seiten — so inhaltreich sind die Sätze des berühmten Meisters auf
dem militärischen Gebiete. Er geht aus von dem durch Moltke anders präzi
sierten Worte „Nicht der Schulmeister, sondern der Erzieher, der Militärstand
hat unsere Schlachten gewonnen", um dann darauf hinzuweisen, daß die Schule
viel leisten könne je nach der Fähigkeit des Lehrers: Erziehung und Ausbildung
auf der einen, Abrichtung auf der anderen Seite, Einzelausbildung oder Massen
drill. Über den Erfolg oder Nichterfolg erhalte der Kompaniechef das getreueste
Bild, wenn er einige Tage nach der Einstellung seine Rekruten geistig Revue
passieren lasse. Er fährt dann fort: „Allerdings wird die Schule in der
alleinigen Verantwortlichkeit für die Lücken der Erziehung und Entwicklung
dadurch entlastet, daß sie den Knaben nur bis zum 14. Lebensjahre behält, und
dann 6—7 Jahre folgen, in denen jede erziehliche Einwirkung fortfällt. Er
tritt in den Dienst als Knecht, erlernt ein Handwerk, oder er sucht den Erwerb
in Fabriken und Bergwerken. Harte, rein körperliche Arbeit stumpft ab, die
Erholungsstunden werden im Wirtshause verbracht; der Geist ruht, der Körper
wird einseitig ausgebildet. Tritt schlechter Umgang hinzu, so verrohen Charakter,
Sitte und Gemüt. Hier liegt die Lücke in unserer Jugend
erziehung. Und hier heißt es, helfend eingreifen. Auf staatliche
Zwaugsmaßregeln braucht man nicht zu warten, sondern jeder
kann und soll hier das Seine tun und durch Beispiele, Wort
und Tat erzieherisch und bildend auf die jungen Leute ein
wirken. So soll es der Landwirt an seinen Knechten tun, so der Handwerks
meister an seinen Lehrlingen und Gesellen, der Fabrikherr an seinen Arbeitern.
Es nützt schon viel, wenn die jungen Leute den Ernst sehen, mit dem man sich
ihrer annimmt, ihren Roheiten wehrt, ihren Geist bildet und fördert und Tüch
tiges aus ihnen zu machen sucht. Das ist die heilige Pflicht der älteren
Generation an der jüngeren; um diese Pflicht kommen wir
nicht herum, wenn unser Vaterland gedeihen soll." Jeder
Baterlandsfreund muß dem wackeren Kriegsmann dankbar sein, daß er einmal
nachdrücklich alle Kreise an ihre Erziehungspflicht gemahnt hat, und diese Auf
forderung muß um so mehr wirken, als Graf Häseler selber mit praktischem Bei
spiele vorangeht und auf seinem Gute Harnecop der aus der Schule entlassenen
Jugend als Lehrer in geistiger und körperlicher Weiterbildung dient. Der warme
Appell Häselers findet einen besonders dankbaren Wiederhall in den Kreisen, die
sich schon länger mit dieser Arbeit befaßt und, sagen wir gleich, sie auch etwas
anders aufgefaßt haben. Es ist die Liebestätigkeit der evangelischen Männer
und Jünglingsvereine an der jüngeren und älteren Generation unseres Volkes.
Sie hat in diesem Frühjahr das 50jährige Bestehen des Weltbundes in Frank
reichs Hauptstadt feiern dürfen, und unser „Evangelisches Schulblatt", das
immer einen weiten Blick für alle erziehliche Arbeit im Christenvolke hin und
her bekundet hat, darf darum auch an diesem Denkstein einer reichgesegneten Für
sorgearbeit an der heranwachsenden männlichen Jugend nicht ganz vorübergehen.
Wer wie Schreiber dieses nun schon zweimal die Freude gehabt hat, an einer
der großen Weltkonferenzen teilnehmen zu können, der hat damit den unvergeß
lichen Eindruck gewonnen, daß die Jünglingsvereinssache trotz mannigfacher Män
gel, die vielleicht hier oder da mehr oder weniger hervortreten, doch eine bedeut
same Reichsgottesarbeit ist, die schon Unzähligen zum bleibenden Segen geworden

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