336 H Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
ist und deren Wert je länger je mehr in weiten Kreisen anerkannt wird. Das
trat auch in Paris in die Erscheinung. Hatten wir in Christiania 1902 die
Ehre, sogar im Königsschlosse empfangen zu werden, so wurde uns in Paris die
Freude, in den betreffenden Botschaften begrüßt zu werden. Es waren uns
Deutschen für immer in der Erinnerung bleibende Feststunden, als wir in Stärke
von etwa 300 Konferenzteilnehmern nebst vielen Vertretern der deutschen
Gesandtschaft und Kolonie von Fürst und Fürstin Radolin empfanden wurden
und aus des Fürsten Munde das Zeugnis hören durften, daß er sich außer
ordentlich freue, von der reichgesegneten Arbeit der Vereine hören zu können;
gerade in Frankreich merke man es so recht, wohin die Menschen kämen, wenn
sie keinen Glauben mehr hätten.
Der Gesang unserer alten herrlichen Choräle „Nun danket alle Gott",
„Herz und Herz vereint zusammen", „Lobe den Herrn" machten ersichtlich einen
tiefen Eindruck auf den Fürsten, und immer wieder dankte er aufs herzlichste für
diese Freude. Es kam in diesem Momente eben auch zum Ausdruck, wodurch
sich unsere evangelische Jünglingssache von aller anderen, neuerdings von den ver
schiedensten Seiten in Angriff genommenen Jugendpflege unterscheidet: in dem
Betonen des religiösen Momentes als dem tiefinnersten Fundamente einer auf
das zeitliche und ewige Heil des Menschen bedachten Pflegearbeit. Damit knüpfte
die 50jährige Jubelfeier des Weltbundes an jene erste Konferenz in Paris an,
die in den Augusttagen 1855 stattfand und bereits von Vertretern aus neun
verschiedenen Ländern besucht war. Vertraten die 50—60 Delegierten damals
320 Vereine mit 27 000 Mitgliedern, so waren diesmal nicht weniger als 700
Delegierte aus 25 verschiedenen Ländern der Erde erschienen, die mehr als 7000
Vereine mit ungefähr 700 000 Mitgliedern repräsentierten. In diesen wenigen
Zahlen zeigt sich schon die mächtige Entwicklung, welche das Werk durch Gottes
Gnade gewonnen hat. Und unstreitig hat der Zusammenschluß der hin und her
zerstreut vorkommenden Vereine, die wie der Baseler bis 1768, der Bremer auf
1834, der Frankfurter auf 1835, der älteste Barmer auf 1836, der Elber-
felder und Jöllenbecker auf 1838 zurückgehen, außerordentlich befruchtend und
fördernd gewirkt. Genf gebührt der Ruhm, die Männer in seinen Mauern
gehabt zu haben, die mit klarem Blicke und nimmer rastender Liebe die Fäden
zwischen den Vereinen zu knüpfen suchten, und als durch regen Briefwechsel die
Herzen sich näher gekommen waren, auch die persönliche Verbindung zu finden.
Es war eine Glaubenstat, die erste Veranstaltung einer Weltkonferenz in Paris;
es war mit viel Gebet vorgearbeitet worden, und auch in jenen Augusttagen,
wo man einen gemeinsamen Boden für die Arbeit finden wollte, suchte man
immer wieder im Gebete Kraft und Leitung von oben. Der Amerikaner Stevens
und der Straßburger Pastor Monnier waren es, welche die Konferenzteilnehmer
auf Grund des vorgelegten Entwurfs zur Annahme des internationalen Statuts
bewogen:
„Wir Abgeordneten der christlichen Jünglingsvereine von Europa und
Amerika, versammelt zur Besprechung in Paris am 22. August 1855, in der
Überzeugung, daß unsere Vereine alle dasselbe Ziel anstreben in demselben evan
gelischen Geiste, und daß es unsere Pflicht ist, diese Einheit nach außen zu be
weisen, ohne damit der völligen Selbständigkeit der Anordnungen und der Mittel
der einzelnen Vereine nahe zu treten, schlagen unsern Vereinen vor, sich zu einem
Bunde zusammenzutun auf folgende Grundlage hin, die verbindlich sein soll für

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