Rundschau.
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versuchen es mit so mancher Katechismusbearbeitung — warum wollen wir nicht,
wenn es möglich ist. einmal diesen Weg gehen? Wenn das Beste für die
Kinder gut genug ist — wie sollen wir es anders finden als durch Prüfung
des angebotenen Guten? Wer Dörpfelds Heilsgeschichte eingehend prüft, nicht
bloß am Studiertisch, sondern im Unterricht, wird das unterschreiben können,
was Dr. von Rohden in seinem Geleitswort sagt: „Das zweite Enchiridion
gibt eine solche Bereicherung und Vertiefung in den Gehalt der Katechismus
gedanken, wie sie alle Wort- und Sacherklärung des Katechismustextes nicht zu
bieten vermag." Es ist meine Hoffnung, daß die Zitate aus dem Buche selber
für das Buch sprechen und zunächst einmal zum Studium locken."
Rundschau.
Jugendliteratur. Es ist erfreulich, daß die Forderungen nach einer Umgestaltung
der Jugendliteratur in immer weitere Kreise dringen. So wurde auf der letzten
„Kirchlich-sozialen Konferenz", die zu Ostern in Breslau tagte, ein Vortrag
gehalten über das Thema: „Größere Anforderungen an die christliche
Jugendliteratur." Dem Vortrage lagen folgende Leitsätze zugrunde: 1. Unter
christlicher Jugendliteratur ist hier diejenige poetische Literatur verstanden, die von
christlichem Standpunkte aus als geeignet erscheint, der Jugend zur freien Lektüre zu
dienen. 2. Die Geschichte der Jugendlektüre und die Lebenserinnerungen bedeutender
Männer zeigen, daß die Welt- und Nationalliteratur die wertvollsten Schätze zu diesem
Dienste liefern. 3. Dennoch ist die spezifische Jugendliteratur nicht ganz zu verwerfen:
es gibt poetische Begabungen, die eigens zur Jugenddichtung berufen sind; die Unter
schiede der Aufnahmefähigkeit verlangen Berücksichtigung. 4. Die Jugendschrift ist gut,
die reife Menschen mit Freude lesen können. 5. Die Nichtachtung der Ästhetik ist un
evangelisch. Keine Schrift ist als Jugendlektüre geeignet, die nicht ästhetisch schön ist.
6. Die Forderung der Tendenzlosigkeit für die Jugendliteratur birgt Tendenz. 7. Die
Erziehung zum Kunstgenuß ist der intellektuellen und moralischen Erziehung nicht gleich
wertig. 8. Das höchste Erziehungsziel, die Charakterstärke der Sittlichkeit, bleibt von
maßgebender Bedeutung für die Beurteilung der Jugendliteratur. 9. Je fester dies
Ziel steht, um so schärfer darf die ästhetische Kritik angewandt, um so freudiger die
relative Wichtigkeit des Kunstgenusses als eines hohen, auch ethisch wertvollen Lebens
gutes betont werden.
Ferner hat sich auch der Rheinische Provinzialausschutz für Innere Mission, der
am 28. und 29. Juni in Bonn unter dem Vorsitze des Geh. Kommerzienrates Eonze
von Langenberg seine XVII Konferenz abhielt, mit der Frage befaßt. Herr Mittel
schullehrer Achinger aus Elberfeld hielt einen feinsinnigen, die Hörer sichtlich fesselnden
Vortrag über das Thema: „Die Aufgabe der Innern Mission in der lite
rarischen Bewegung der Gegenwart." Diese Bewegung ist hervorgerufen vor
allem durch das Streben, möglichst allgemein das Volk an dem Genießen dessen, was
rechte Kunst dem Menschen bietet, teilnehmen zu lassen. Nach dieser Richtlinie ist man
in den verschiedensten Kreisen bemüht, die Literatur, besonders die Jugend- und Bolks-
literatur zu kritisieren, zu reinigen, zu veredeln. Das Berechtigte in diesen Bestrebungen,
wahre Kunst volkstümlich zu machen und mit wahrer Kunst den Volksgeist zu be
einflussen, muß auch von den Vertretern der christlichen Weltanschauung anerkannt
werden. In der landläufigen christlichen Volksliteratur ist hiernach manches zu ändern
und zu bessern. Aber entschieden muß doch auch der christliche Standpunkt als der
das Leben, das Gebiet der Kunst eingeschlossen, normierende betont und festgehalten
werden. In solchem Sinne will die kürzlich gegründete deutsche Zentralstelle für
Förderung der Volks- und Jugendlektüre (Lehrer Paul Sydow in Hamburg) wirken.
Die Unterstützung dieser Zentralstelle wurde, nachdem man in lebhafter Diskussion seine
Gedanken ausgetauscht hatte, gern zugesagt. Der Vortrag soll im Jahresbericht des
Ausschusses veröffentlicht werden.

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