Rundschau.
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schulwesens der Stadt Köln vom 24. September bezw. 13. Oktober 1875 dahin ab
zuändern, daß 1. das Wort „zwölf" durch „fünfzehn" ersetzt, 2. in diesen Satz folgender
Zwischensatz eingefügt wird: „Je eines der auf Vorschlag der Stadtverordneten
versammlung zu ernennenden Mitglieder muß der Geistlichkeit der beiden christlichen
Konfessionen und dem Volksschullehrerstande entnommen sein." Der Antrag wurde von
der liberalen Mehrheit abgelehnt.
Die Aufbesserung der Seminarlehrer. Durch den Staatshaushaltsetat für 1905
hat die dienstältere Hälfte der Leiter, Lehrer und Lehrerinnen an den Seminaren eine
„Aufbesserung" erhalten in der Gestalt von nicht pensionsfähigen Zulagen, die bei den
Seminardirektoren 600 M., bei den Oberlehrern, Seminarlehrern und Vorstehern der
Präparandenanstalten 400 M., bei den zweiten Lehrern an den Präparandenanstalten
300 M. und bei den Seminarlehrerinnen 200 M. betragen. Zur Bestreitung dieser
Ausgaben sind insgesamt 219600 M. erforderlich. Freiherr von Zedlitz hatte beantragt,
diese Zulagen pensionsfähig zu machen. Der Antrag wurde der Budgetkommisssion
überwiesen, ist von dieser aber abgelehnt worden. Am 23. Mai stand der Antrag im
Plenum des Abgeordnetenhauses zur Beratung. Freiherr von Zedlitz wiederholte seinen
Antrag und wurde dabei von den Rednern aller Parteien (Ernst von der Freisinnigen
Vereinigung, Dr. Hackenberg von den Nationalliberalen, Dr. Zwick von der Volkspartei,
Dr. Glattfelder vom Zentrum) mit Ausnahme der Konservativen, unterstützt. Die Re
gierung will diese Zulagen nicht pensionsfähig machen, weil sie fürchtet, daß dadurch
die ganze Beamtenbesoldungsfrage ins Rollen komme. Dieser Standpunkt ist sehr
bedauerlich; wie Abg. Pastor Dr. Hackenberg ausführte, brauchen wir nach den neuen
Bestimmungen vom 1. Juli 1901 erst recht akademisch-gebildete Kräfte für das Seminar.
Der genannte Redner fürchtet, unter den gegenwärtigen Verhältnissen werde es nicht
allzuverlockend für tüchtige Akademiker sein, sich dem Seminardienst zuzuwenden, wir
würden auf die Theologen angewiesen bleiben, die nach einer Direktorstelle oder einer
Kreisschulinspektion strebten. Die eine bestehende Oberlehrerstelle und auch die von der
Kommission beantragte zweite werde lediglich als Durchgangsposten für diese Theologen
und etliche wenige Philologen übrig bleiben. Für die seminaristisch-gebildeten Lehrer,
die ans Seminar gingen, wirke also nach wie vor kein Avancement.
Aphorismen. Gewissenhafte Eltern mühen sich oft damit ab, ein Erziehungssystem
für ihre Kinder auszudenken. Es gibt nur eins: vorbildlich vor den Augen der
Kinder leben!
Kinder werden oft unterschätzt, oft überschätzt. Man bewertet sie zu hoch, wenn
man sie rührselig betrachtet, als wären es reife Menschen, die außerdem rein und
unschuldig geblieben seien; denn sie haben sich noch nicht bewährt. Wenn man sie
umgekehrt wie junge Tiere ansieht, so unterschätzt man sie, da sie knospenhast alle
Möglichkeiten in sich tragen, zu hohem Menschentum auszuwachsen, während wir Groß-
aewordenen schon die unübersteigbaren Schranken unserer Bestimmung wie eine dunkle
Wand vor uns spüren. — Wo im Hause die Blumen und ihre Pflege fehlen, da mangelt
auch das Gefühl, daß Kinder Blumen und Blüten im Garten der Menschheit sind.
Wenige Eltern wissen zu vermeiden, daß sie zum Popanz ihrer jugendlichen Kinder
werden. Die feinste Form, Kinder auf Lebensdauer in der Hand zu behalten, ist die,
sie früh zu Freunden zu erziehen. Verstehen wir nur das und sie werden reif, wo sie
unsre Mängel überblicken, dann verehren sie noch in unserer Schwachheit die menschliche
Unzulänglichkeit. Eine neue, feinere Zärtlichkeit für uns erwächst daraus. Nur so
schaffen wir Fehler zu Vorzügen um.
(B. Ludwig in der Zeitschrift „Der Deutsche" von A. Stein).
Abschaffung des Religionsunterrichts. Nachdem vor kurzem die Bremer Lehrer
schaft die Abschaffung des Religions- und biblischen Geschichtsunterrichts gefordert
hat, haben sich ihnen nunmehr auch die Bremer Lehrerinnen angeschlossen. Der
Lehrerinnenverein faßte folgende Resolution:
1. Religion ist innerlichster, persönlichster Herzenskultus und läßt sich daher nicht unter
richten.
2. Bei der staatsseitig gewährten Glaubens- und Gewissensfreiheit werden in Bremen
alle religiösen Richtungen als gleichberechtigt angesehen; da aber die im sogenannten
biblischen Geschichtsunterricht behandelten Stoffe verschiedene Auslegung zulassen, so
wird sich die Schule zu den etwa gegnerischen Ansichten des Elternhauses vielfach in
Widerspruch stellen und sich gegen den Willen der Eltern ein Propagandamachen für
eine von diesen nicht vertretene Glaubensanschauung zu schulden kommen lassen.

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