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III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
Eine gesunde Entwicklung des Schul- und Bildungswesens verlangt deshalb, daß „der
Staat auch keine der realen Lebensmächte von der Mitwirkung an der Verwirklichung
seines Ideals ausschließen" darf, „sondern er hat ihre Tätigkeit so zu organisieren und
zu dirigieren, daß alle an der ihnen zukömmlichen Stelle mithelfen, die Menschen zu
erziehen und zu bilden zu dem Ziele wahrer Menschlichkeit." Leider wird nun nicht
weiter ausgeführt, wie diese Unterstützung durch die andern Erziehungsmächte sich ge-
stalten soll.
Die Darstellung ist im allgemeinen nicht einfach und setzt gereifteres Verständnis
voraus. Daß neben dem niedern auch das höhere Schulwesen ausführlich berücksichtigt
wird, ist kein Nachteil. Ein sprachlicher Fehler ist die falsche Anwendung des Wortes
Gehalt im Sinne von Besoldung, die Süddeutschland eigen zu sein scheint.
Möchte sich das treffliche Werk Heimatsrecht in: Seminarunterricht erwerben, es
bietet Gelegenheit, über den Zaun des engen Berufsinteresses hinauszusehen.
3. Lehrbuch der Pädagogik von Dr. I. Chr. Gottlob Schumann und Prof. Gustav
Boigt. III. Teil. Spezielle Methodik und Schulkunde. 11. vollständig neu
bearbeitete Auflage. Hannover und Berlin, Karl Meyer (G. Prior). 664 S.
5 M>, geb. 5,60 M.
An dem 3. Teil dieses allbekannten Lehrbuches, dessen 1. und 2. Teil bereits vor
längerer Zeit im Evang. Schulblatt an anderer Stelle besprochen wurde, ist der Her
ausgeber, wie er im Vorwort bemerkt, nur insoweit beteiligt, als er die Verfasser für
die Bearbeitung der einzelnen Abschnitte gewonnen hat. Den Religionsunterricht be
handelt Seminardirektor Lic. Kabisch, den Unterricht im Deutschen Rektor Heinemanu,
den im Französischen Oberlehrer Röttgers. Rechnen und Raumlehre hat P. Gockisch-
Berlin, Naturkunde Goldschmidt-Magdeburg, Erdkunde Oberlehrer Fischer-Berlin, den
Gesangunterricht Professor Krause-Berlin, Zeichnen Götze-Hamburg, Schreiben Rektor
Driesner-Posen, Turnen Oberturnwart Dr. Luckow, Handarbeitsunterricht E. Brenske,
Jnspizientin des Handarbeitsunterrichts in Berlin bearbeitet, worauf ein Kapitel: Schul
pflege und Schulkunde von Rektor Heinemann den Schluß macht. Bei den Kapiteln
über Geschichte und Englisch fehlt die Angabe des Verfassers, doch weist die Anlage
des letztern auf den Bearbeiter des Französischen hin. — Eine solche Aufteilung der
Arbeit hat den Nachteil, daß das Ganze der Einheitlichkeit entbehrt. Das zeigt sich
schon äußerlich in dem Gang, noch mehr in der sachlichen Behandlung. Die Arbeit
von Heinemann über den Deutschunterricht ist aus dem Vollen geschöpft, außerordent
lich wertvoll und lehrreich sind die einleitenden Bemerkungen über allgemeine Sprach-
bildung und Sprachpflege in der Schule. Treffliche Anweisungen geben ferner die
Aufsätze über Französisch und Englisch, die sich auch durch reichhaltige Literaturangaben
auszeichnen. Naturkunde ist zwar kurz, aber brauchbar behandelt; der Artikel über
Erdkunde ist weniger für Volksschulzwecke berechnet. Eine prächtige Arbeit ist die von
Prof. Krause über Gesangunterricht, in sachlicher Hinsicht ebenso tief, wie im Ausdruck
frisch und originell. Um den vollen Gewinn zu haben, müßten aber seine Liederhefte
zur Hand sein. Nicht minder stehen die Ausführungen von Götze über das Zeichnen
auf der Höhe; sie zeigen, wie auf diesem Gebiet, das mau erst jetzt in bildender Weise
in Angriff zu nehmen scheint, die Schüler zu selbständiger Auffassung und Darstellung
des Geschauten erzogen werden sollen. Kabisch steht hinsichtlich des Stoffes auf dem
Boden einer gemäßigten Bibelkritik, in der Behandlung auf herbartischem Standpunkt;
die methodischen Weisungen sind beachtenswert. Die Behandlung des Geschichtsunter
richts entbehrt der Tiefe, ebenso die Abschnitte über Rechnen und Raumlehre. Letztere
räumen dem geschichtlichen Überblick einen zu großen Umfang ein, beschränken sich zu
viel auf allgemeingültige Regeln und berücksichtigen zu wenig die Bestrebungen aus
neuster Zeit. Tank, Knilling, Knoche, Wilke, Lay, Beetz, Martin, Schmidt, Zeißig rc.
finden keine Erwähnung. Die übrigen Kapitel bieten zu besondern Bemerkungen keinen
Anlaß. Dem Werke sind 14 instruktive Tafeln für den Zeichenunterricht beigegeben.
4. a) von Sallwürk, Dr. E.: Streifzüge zur Jugendgeschichte Joh. Fr. Herbarts.
Langensalza 1903, Beyer u. Söhne. 48 S. 0,60 M
b) Bornemann, Dr. L.: Dörpfeld und Albert Lange. Zur Einführung in ihre
Ansichten über soziale Frage, Schule, Staat und Kirche. Ebenda 1902. 37 S
0,45 M.
In der ersten Schrift beantwortet v. Sallwürk die Frage, wie es zu erklären ist,
daß die großen Ereignisse während seines Berner Aufenthaltes auf Herbart keinen
Eindruck erzeugt haben, zunächst damit, daß er der Modekrankheit der Gegenwartsscheu

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