III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
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Witkowski, Georg: Das deutsche Drama des neunzehnten Jahrhunderts in seiner
Entwicklung dargestellt. Leipzig 1904, B. G. Teubner. 172 S. Geh. 1 M.,
geb. 1,25 M.
Dieses preiswerte Büchlein gibt eine vortreffliche Übersicht über die wichtigeren
dramatischen Erscheinungen des vorigen Jahrhunderts, mit Einschluß der Oper. Durch
die literarische Revolution der achtziger Jahre wird das Jahrhundert in zwei ungleiche
Hauptabschnitte zerlegt, von denen der erste wiederum durch das Auftreten des „jungen
Deutschlands" in den dreißiger Jahren einen Einschnitt erfährt. Dem ersten Drittel
des Jahrhunderts gehören als hervorragendste Dramatiker an: Kleist. Grillparzer,
Raimund und Grabbe, dem zweiten Zeitraume von 1830—1885 Friedrich Hebbel, der
bedeutendste von allen, Otto Ludwig, Ludwig Anzengruber. Richard Wagner und Ernst
von Wildenbruch, während als die Hauptvertreter des modernen Dramas der letzten
fünfzehn Jahre Hermann Sudermann und Gerhart Hauptmaun eingehend charakterisiert
werden. Auch der Einfluß der außerdeutschen Dichter, besonders Henrik Ibsens, auf
das deutsche Drama wird gebührend gewürdigt. Nur selten bedauert man die allzu-
große Knappheit, z. B. bei Richard Voß, der mit sieben Zeilen erledigt wird; und nur
wenige bekanntere Namen fehlen gänzlich, z. B. „Die Kinder der Exzellenz", „Die Tochter
des Erasmus" und vor allem Adalbert von Hanstein, desien Werk „Das jüngste
Deutschland" uns so interesiante und wertvolle Einblicke in das literarische Schassen
der beiden letzten Jahrzehnte bietet. Die Urteile Witkowskis über die Dichter und ihre
Werke sind mit verschwindenden Ausnahmen sehr treffend und objektiv, und auch ge
legentliche Seitenhiebe kann man meist unterschreiben, z. B den auf die polizeiliche
Zensur: „Denn die Polizei hat in Deutschland die Aufgabe, nicht nur Religion. Sitte
und Ordnung, sondern auch den Geschmack der Staatsbürger vor jedem Angriffe zu
schützen" (S. 114). Kurz, das Büchlein ist als ein sicherer Führer durch die drama
tische Literatur des vorigen Jahrhunderts jedermann warm zu empfehlen.
vr. ?. v. R.
Horn: Kleine Schulgemeinden u. kleine Schulen. Langensalza 1902, Beyer u. Söhne.
16 S. 0,20 M.
Mit wenigen aber warmen und überzeugenden Worten tritt Rektor Horn in dieser
Schrift — Heft 179 der Sammlung von F. Mann: Pädagogisches Magazin — für
einen der besten und auch niemals tot zu schweigenden Gedanken Dörpfelds ein.
Hiecke, Pfarrer: Zur Stellungnahme in der Bewegung gegen die Ortsschulaufsicht
der Geistlichen. Leipzig 1903, Beruh. Richter. 39 S. 0,80 M.
Dieser auf der Kirchen- und Pastoralkonferenz zu Meißen am 11. 5. 1903 ge
haltene Vortrag, der auf Verlangen in Druck gegeben worden ist, scheint für die säch
sischen Pfarrer charakteristisch zu sein bezüglich ihrer Stellung zur Schulaufsichtsfrage.
Wohl werden die Bedenken gegen die geistliche Ortsschulaufsicht anerkannt, aber zu der
Schlußfolgerung, zu welcher man in den westlichen Provinzen fast ausnahmslos ge
langt ist, führt der Vortrag nicht. Sehr bemerkenswert sind die Widersprüche in den
3 Abschnitten des 5. Leitsatzes, a. Die Rechte, mit denen man die Beibehaltung der
Ortsschulaufsicht der Geistlichen begründet, sind nicht stichhaltig, denn usw. b. Wenn
die Weiterentwicklung der Schulgesetzgebung auf Aufhebung der Ortsschulaufficht der
Geistlichen zudrängt, so hat die Kirche keinen Anlaß, grundsätzlich dem zu widerstreben,
denn usw. Aber: c. So liegt die Beibehaltung der Ortsschulaufsicht nicht so sehr im
Interesse der Kirche, die damit nur einen Dienst, keine Herrschaft ausüben will, als
vielmehr im Interesse der Schule, ist doch der Segen davon für die Schule nicht ge
leugnet worden, wird doch die Befähigung der Geistlichen dazu noch immer anerkannt,
kann doch ihre Ausübung ohne Beeinträchtigung der Selbständigkeit des Lehrers und
seiner Ehre geschehen usw.
Zu den noch vorliegenden Schriften über Lehrerbildung leitet über
Muthestus: Schulaufsicht und Lehrerbildung. Pädagogisches Magazin von F. Mann.
189. Heft. Langensalza 1902, Beyer u. Söhne. 53 S. 0,70 M.
Das Schriftchen enthält einen auf der XI. Hauptversammlung des Vereins der
Freunde Herbartischer Pädagogik in Thüringen gehaltenen und damals mehrfach be
fehdeten Vortrag. Der Verfasser weist mit vollem Recht auf den mangelnden oder
ungenügenden Zusammenhang zwischen Seminar und Volksschule hin. Er wünscht,
daß in der fachmännischen Schulinspektion die Vermittlung und Verbindung zwischen
den Stätten der Ausbildung und der praktischen Betätigung in der Amtsführung,
zwischen Lehrervorbildung und Lehrerfortbildung möge gefunden werden. Dabei müßte

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