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I. Abteilung. Abhandlungen.
die großen politischen Parteien derselben bemächtigt haben. Jede Partei sucht
die Schule für sich zu gewinnen und sie ihren Zwecken dienstbar zu machen.
So ist die uns beschäftigende Frage fast zu einer Machtfrage geworden, zu einer
Machtfrage zwischen den sich gegenüberstehenden Welt- und Lebensanschauungen
oder den politischen und kirchlichen Absichten, Wünschen und Hoffnungen der
Parteien und Vereinigungen. Und es ist nicht zu leugnen, der Parteien Gunst
und Haß hat auch in diese Frage, die eigentlich allein das Familienrecht und
die Gewissensfreiheit entscheiden kann, manches hineingetragen, was nicht
hineingehört, und das den Blick nur verwirren kann; oft wendet man im Kampfe
um die Schule hüben wie drüben auch nicht gerade einwandfreie Mittel an, um
der eigenen Sache zum Siege zu verhelfen und den Gegner zu vernichten. Bald
werden bei der einen oder der andern Schulart Vorteile hervorgesucht und
wunderwirkende Kräfte entdeckt, die nicht vorhanden sein können, bald wieder
Schäden und Nachteile gefunden, die niemals hervorgetreten sind. M. H.! Von
diesen parteipolitischen Wünschen, Hoffnungen und Bestrebungen müssen und
wollen wir hier ganz absehen, sie eignen sich aus mancherlei Gründen nicht zur
Erörterung in dieser Versammlung. Mag jede große politische Partei ihrer
Welt- und Lebensanschauung, ihrer Ansicht von den Kulturaufgaben und der
Weiterentwicklung unseres Volkes und dem, was sie gerade als den nationalen
Zeitgeist betrachtet, zum Siege zu verhelfen suchen, — aber die Schule, die mit
ihrer stillen Arbeit nicht einer Partei, sondern dem ganzen Volke dienen
soll, muß eben deshalb außerhalb des Kampfes und außerhalb des Partei
getriebes stehen. Wenn wir daher für die Erhaltung der Konfessionsschule ein
treten, so richtet sich unser Streben auch nicht gegen irgend eine Partei, nicht
gegen eine andere Konfession; — wir wenden uns nur gegen die, die das heiligste
Menschenrecht, das Familienrecht und die Gewiffensfreiheit, auf dem Gebiete des
Schulwesens nicht anerkennen wollen, sondern es den katholischen Christen ebenso
wie den evangelischen verwehren, ihre Kinder in der Schule in dem Glauben
und den religiös-sittlichen Anschauungen erziehen zu lassen, die ihnen lieb und
teuer geworden sind.
Wenn wir nun auch die Frage, ob Simultanschule, ob Konfessionsschule,
nicht nach allen Seiten hin betrachten können, wenn sich auch hier nicht alles er
örtern läßt, was von seiten ganzer Kreise oder auf gründ persönlicher Wünsche
und Hoffnungen für oder gegen die eine oder andere Schulart geltend gemacht
wird, so können und müssen doch auch von uns einige wichtige Punkte hervor
gehoben werden, und zwar ist es das, was den inneren Schulbetrieb,
unsere eigentliche, tägliche Arbeit, angeht. Auf die Gestaltung dieser Arbeit
kann allerdings die Schuleinrichtung nicht ohne Einfluß bleiben. Ich
meine, wir müssen die Angelegenheit vom rein pädagogischen Standpunkt
aus betrachten, und da glaube ich sagen zu dürfen: Wir alle, m. H., stehen in

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