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I. Abteilung. Abhandlungen.
Schule ein wichtiger Faktor ist in der Reihe von Veranstaltungen und Ein
richtungen, die darauf hinzielen, unsere Knaben und Mädchen zu tüchtigen
Gliedern unseres Volkes heranzubilden; — aber, m. H., das stolze Wort: „Wer
die Schule hat, der hält die Zukunft seines Volkes in Händen!" können wir
doch nicht ganz zu dem unsern machen. Gewiß würde die Schule auf die
Kreise, denen ihre Kinder entstammen, in jeder Hinsicht einen bedeutsamen Ein
fluß ausüben, wenn nicht so viele entgegengesetzte Strömungen tätig wären,
wenn sich nicht so viel aktiver und passiver Widerstand geltend machte. Wir
wissen, wie oft der keimende Einfluß der Schule auf die Jugend zerstört wird
durch andere Mächte, die von früh auf das Kind umgeben und bestimmend auf
dasselbe einwirken; wir, die wir in der Schularbeit stehen, müssen oft mit ge
bundenen Händen zusehen, wie unsere beste Absicht, unser redlichstes Bemühen
durchkreuzt wird von entgegengesetzten Strömungen in der Familie, von dem
täglichen Umgang und Verkehr der Kinder, dem sozialen Leben mit seinen
mannigfaltigen Beziehungen und Verwicklungen. Wir fühlen es fast täglich, wie
notwendig ein Zusammengehen der beteiligten Kreise ist, wenn in der Erziehung
eine dauernde Wirkung erzielt werden soll. Hier müssen alle dasselbe wollen,
hier müssen alle denselben Wunsch und dasselbe Ziel haben. Wenn das schon
im allgemeinen und in gewöhnlichen Verhältnissen nötig ist, wie viel mehr, wenn
es sich um Angelegenheiten von grundlegender, einschneidender Bedeutung handelt!
Eine solche Einigkeit aller Beteiligten bezüglich der Lösung der großen Aufgabe,
die man der Schule zuweisen möchte, läßt sich aber durchaus nicht erkennen.
Darum, m. H., geben wir uns keiner Selbsttäuschung hin. Ich bin der Mei
nung, daß es überhaupt nicht Aufgabe der Schule sein kann, ihre Einrichtungen
und Maßnahmen bewußt und mit Absicht nach dem Ziele hin zu treffen, den
Gegensatz zwischen den großen und weitverzweigten, geschichtlich gewordenen Kon
fessionen zu überwinden, und wenn doch ihr Hauptstreben dahin ginge und sie
ihre Arbeit dementsprechend gestalten würde, sie würde nichts erreichen, aber vieles
verlieren und ihre Kräfte in aussichtslosem Kampfe zersplittern. Ihr Bemühen
würde hauptsächlich deshalb nicht den gewünschten Erfolg haben, weil es jeden
falls nur auf einer Seite vorhanden wäre, nämlich nur auf seiten der simul
tanen Volksschule. Die großen, dabei besonders interessierten Kreise würden kein
Entgegenkommen zeigen; sie würden die Arbeit der Schule mit Mißtrauen ver
folgen und der zutage tretenden Absicht geheim oder offen Widerstand entgegen
setzen in der Erkenntnis, daß aus dem „Übersehen" der religiösen Unterschiede
allmählich religiöse Gleichgültigkeit werden müßte. Man würde nun jedenfalls
darauf dringen, daß der Religionsunterricht an den Schulen nur solchen Lehrern
übertragen würde, die die Gewähr bieten, daß sie diesen Unterricht ganz im
Sinne der betreffenden Konfessionen erteilen, ja, man würde in diesem Unterricht
nun das spezifisch Konfessionelle wahrscheinlich erst recht betonen. „Der Druck,

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