Zur Simultanschulfrage.
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den die Einrichtung von paritätischen Schulen auf das konfessionelle Bewußtsein
ausüben müßte, würde neue, bis dahin gebundene und ruhende Kräfte entfesseln,
dieselben an dem ihnen geleisteten Widerstand erstarken laffen und so den Gegen
satz um eben so viel verschärfen und vertiefen, als man ihn auszugleichen und
abzuschwächen wünschte." Dafür bietet die Schulgeschichte der Orte, die pari
tätische Schulen haben, lehrreiche Beispiele. Durch gewaltsame Einführung solcher
Schulen wird der konfessionelle Friede nicht herbeigeführt und gefördert. Kann
die Schule aber im stillen durch recht gestalteten Unterricht und ohne Lärm und
Geräusch in der Richtung des Friedens wirken, kann sie den rechten Geist der
Liebe und Duldung bei den Kindern pflegen, so soll und muß es gewiß ge-
schehen; es wird dann auch Wert und Bestand haben. Nun, m. H., glaube ich
wohl behaupten zu dürfen: Wenn solch stille Arbeit zur Pflege des Geistes der
Duldung möglich ist, so befindet sich die konfessionelle Schule in dieser Hinsicht
gegen die Simultanschule im Vorteil. Lasien Sie uns noch einen Augenblick
den Weg verfolgen, den die Simultanschule einschlagen will und muß und da
neben einen Blick auf den Weg werfen, den die Konfessionsschule geht, wenn sie
recht geartet ist und ihre Aufgabe versteht. In der Simultanschule sollen Lehrer
und Schüler, was die Religion betrifft, getrennt sein. Hier gehen sie aus
einander, den einen öffnet sich diese, den andern jene Tür. Etwas Äußer
liches freilich und dem Anschein nach Unwichtiges, das aber bei seiner fast
täglichen Wiederholung auf das Gemüt der Kinder einen nachhaltigen Eindruck
machen muß. Denn verkündigen ihnen die trennenden Wände nicht jeden Tag
laut und eindringlich: „Es mag sein, wie es will, und man mag das Beste
wollen, ihr könnt doch niemals völlig zusammenkommen! Hier, wo es sich um
das Höchste und Beste des Menschenherzens handeln soll, hier ist eine Scheide
wand aufgerichtet, die nicht hinweggeschafft werden kann." Ja, hier reden wirk
lich die Steine! In dieser aufdringlichen, sich ständig wiederholenden Weise
laffen die Konfessionsschulen die Unterschiede nicht hervortreten und zum Bewußt
sein kommen, weil sie etwas Althergebrachtes und Gewohntes sind und das
Volksbewußtsein sie als etwas Natürliches auffaßt. Sie gelten den Kindern als
Bezirks- und Gemeindeschulen.
Doch weiter! In allen Fächern außer der Religion sollen die Schüler der
verschiedenen Konfessionen vereinigt sein, einerlei, welcher Geist in den verschiedenen
Familien herrscht, welche sittlich-religiösen Anschauungen und Vorstellungen die
Kinder dort empfangen; einerlei, welche Lebens- und Weltanschauungen bei ihren
Eltern und nächsten Angehörigen geltend sind und auch bei ihnen schon Wurzel
geschlagen haben. Um diese Vereinigung, wenigstens äußerlich, möglich zu
machen, sollen die Gegensätze, die doch durch den vorausgegangenen isolierten
Religionsunterricht im Gemüt des Kindes noch eine Verschärfung erfuhren, ein
fach übersehen oder bewußt ignoriert werden, wobei es auf die innere, per-

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