Zur Simultanschulfrage.
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Wir haben diesen Punkt schon gestreift, müssen aber seiner Wichtigkeit wegen
noch für kurze Zeit bei demselben verweilen. Haus und Schule sollen in
Erziehungsfragen Hand in Hand gehen. Wie oft hört man dieses Wort! Wie
oft hat man in Lehrerversammlungen die Wichtigkeit dieses Zusammengehens be
tont, wie sehr empfohlen, ein solches Zusammenarbeiten anzubahnen, herbeizu
führen, zu pflegen! Auch jetzt, denke ich, soll es noch gelten. Aber es kann
sich doch nur da entwickeln, wo Vertrauen herrscht, und wahres Vertrauen kann
sich nur dann herausbilden und wirksam zeigen, wenn die Beteiligten in den
wesentlichsten und wichtigsten Dingen einig sind, einig in der Auffassung von
der hohen Aufgabe der Schule, einig in den Hauptgrundsätzen der Erziehung,
einig in der Wahl und Anwendung der wichtigsten Mittel. Vertrauen kann sich
aber nicht lebenskräftig zeigen, und die schwachen Ansätze desselben gehen bald
wieder verloren, wenn man sich in den schwerwiegendsten Fragen, die nicht nur
das seelische Leben des Einzelnen, sondern das ganze öffentliche Leben berühren
und gestalten, nicht begegnen kann. Nein, herrscht in der Familie ein anderer
Geist als in der Schule und läßt sich diese Kluft auch nicht überbrücken, hat die
Familie eine andere Ansicht von dem Wert und dem Recht der Persönlichkeit,
von dem, was ihr nottut und ihre volle Entwicklung fördert, als die Schule, so
können beide nicht zusammen arbeiten; ihre Wege gehen auseinander, ja sie
kreuzen sich, und sie stehen sich endlich wie zwei feindliche Mächte gegenüber.
Solche Zwiespältigkeit, m. H., Zwiespältigkeit auf Grund mangelnden Ver
trauens, ist bei der Simultanschule zu befürchten. Und daß diese Befürchtung
nicht grundlos ist, zeigt wiederum die Schulgeschichte. In den siebziger Jahren
wurden auch am Rhein im Regierungsbezirk Düsseldorf an manchen Orten
Simultanschulen eingerichtet. Sie mußten fast alle innerhalb zehn Jahren
wieder verschwinden. Die Verschiedenheit in den grundsätzlichen Anschauungen
rief Mißhelligkeiten zwischen Eltern und Lehrern und auch zwischen den evan
gelischen und katholischen Lehrern an derselben Schule hervor. Sie konnten ja
auch nicht ausbleiben, wo charaktervolle Männer, die eine eigene feste Meinung
und eine sichere religiöse Überzeugung hatten, Männer von grundverschiedener
Welt- und Lebensanschauung, an einem Werke arbeiteten, für dessen Gelingen
das Einsetzen der vollen Persönlichkeit gefordert werden muß. Das Vertrauen
schwand — und damit die wertvollste Garantie für den Erfolg der Gesamt-
arbeit. —
M. H.! Es ist bisher stets betont worden, die Volksschule sei nicht allein
eine Unterrichtßanstalt, sondern vor allen Dingen Erziehungsanstalt; sie solle
nicht nur gründliches Wisien und tüchtiges Können vermitteln, sondern auch das
Gemüt und den Willen des Kindes bilden. Ja, die sittliche Bildung und Er
ziehung unseres Volkes, die Mithülfe der Schule bei der Heranbildung von tüch
tigen Persönlichkeiten und Charakteren haben wir stets als die ehrwürdigste und

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