Zur Simultanschulfrage.
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stummen, — dieselbe Ode, Trostlosigkeit und Verrohung macht sich annähernd
auch in der Schule fühlbar, wenn sie auf den Religionsunterricht und die An
dacht verzichten muß." — Nun, m. H., wir haben zu Anfang dieser Tagung
aus dem Munde des Herrn Vorsitzenden gehört, daß die rheinische Lehrerschaft
nicht daran denkt, diese Sonne, den Religionsunterricht, aus der Schule zu ver
bannen, aber das müssen Sie zugeben, daß sich die Schulandacht in der
Simultanschule nicht einheitlich gestalten läßt?) Das sehen wir als Mangel an,
und es bedeutet für uns einen schweren Verlust an erziehlichem Einfluß.
Daß schließlich die Simultanschulen zur Einrichtung sehr großer Schul'
systeme führen und auch der Trennung der Geschlechter Vorschub leisten, können
wir ebenfalls nicht als einen Vorzug dieser Schulart anerkennen. Wir sind viel
mehr der Meinung, daß damit Schuleinrichtungen gefördert werden, denen vom
pädagogischen Standpunkt aus große Bedenken entgegenstehen. Wir wollen indes
zugeben, daß örtliche Verhältnisse bisweilen die Zusammenlegung allzu kleiner
Schulen zu einem Ganzen, zu einer Simultanschule, nötig machen, oder daß
finanzielle Schwierigkeiten die Errichtung besonderer konfessioneller Schulen ver
hindern können. „Wo das der Fall ist, wo man also weiß, daß die Simultan
schule ein Notbehelf sein soll, wo man daher ihre Gebrechen nicht übersieht und
sich allerseits befleißigt, jeden vermeidbaren Nachteil wirklich zu vermeiden, wo sie
gleichsam auf einem Kontrakte der beteiligten Parteien beruht, da wird wohl auch
eine gewisse Harmonie zwischen diesen beteiligten Personen und Kreisen möglich
sein, wenn anders ein Zustand, der kein offener Krieg ist, schon ein Harmonie-
und Friedensstand heißen darf. Wo jedoch nicht die Not, sondern eine fremde
Tendenz, heiße sie nun Toleranz oder „Aufklärung" oder wie immer, die kon
fessionslose Schule hervorgerufen hat, wo mit Absicht der Religionsunterricht
(wenigstens aus der ihm gebührenden Stelle) ausgeschieden ist, wo der übrige
humanistische Lehrstoff verstümmelt und seines wirksamsten Elementes beraubt
wird, wo demzufolge keine Wechselwirkung und Unterstützung zwischen dem
separaten Religionsunterricht durch den geschichtlichen und Sprachunterricht die
Rede sein kann, da hat alle Harmonie zwischen dieser Schule und den christlichen
Familien und Gemeinschaften ganz gewiß ein Ende" (Dörpfeld).
Wenn wir nun auch aus nationalen und pädagogischen Gründen der
Konfessionsschule den Vorzug vor der Simultanfchule geben müssen, so sprechen
wir uns doch entschieden gegen die zwangsweise Einführung der konfessionellen
Schule aus, wie wir selbstverständlich auch die Zwangssimultanschule ver
fl Es ist bekannt daß amtliche Lehrerkonferenzen, die einen simultanen Charakter
tragen, und an denen Lehrer aller Konfessionen teilnehmen, nicht mit einem Gebet
nicht mit dem Gesang eines geistlichen Liedes, nicht mit dem Verlesen eines Psalmes
oder eines andern Schriftwortes eröffnet werden können. Ähnlich würde es in der
Simultanschule sein.

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