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I. Abteilung. Abhandlungen.
werfen. Wir, m. H., wollen die rechte Freiheit, Gewissensfreiheit für alle, dagegen
ist die einseitige, schroffe Forderung der Simultanschule gegen den Willen der Eltern
weder liberal noch freisinnig. Evangelische Eltern müssen das Recht haben, ihre
Kinder evangelisch erziehen zu lasien, katholische Eltern katholisch. Die Frage
nach dem religiösen Charakter der Schule muß, wie eingangs bemerkt, dem
Streit der politischen Parteien entrückt und dem Elternrecht -zur Entscheidung
übergeben werden. Innerhalb einer Kommune müsien sich die evangelischen,
katholischen oder jüdischen Familien, wenn sie zahlreich genug sind, zu einer oder
mehreren konfessionellen Schulgemeinden zusammenschließen können. Sind nun
auch genug Familien vorhanden, die für ihre Kinder keine Konfessionsschule
wünschen, gewiß, auch für sie gilt das Elternrecht, sie mögen sich zu einer
simultanen Schulgemeinde verbinden und dann eine Simultanschule erhalten. Es
ist dabei selbstverständlich, daß sich jede Schulgenossenschaft, die nicht aus dem
Boden einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft steht, über ihre Moral
und ihre Erziehungsgrundsätze befriedigend ausweisen muß. Jedenfalls aber
märe es ein Unrecht, wenn die kommunalen Verwaltungskörper allein den
Charakter der Schulen im Prinzip bestimmen wollten, ohne die Meinung der
Eltern zu hören. Es wäre das hinsichtlich der Elternrechte an der Schule eine
ebensolche Bevormundung, wie es ehedem auf dem kirchlichen Gebiete das Vor
recht der Landesherren war, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen. Dörp-
feld hat recht, wenn er sagt: „Christliche Eltern zu zwingen, ihre Kinder in
eine ihrem Glauben widersprechende Schule zu schicken, dazu hat keine Autorität
und Majorität, kein König und kein Parlament das Recht." Wir stellen daher
mit Entschiedenheit die Forderung auf, daß bei der konfessionellen Gestaltung
der Schule nach dem Prinzip der Gewissensfreiheit und unter möglichster Be
rücksichtigung der Elternrechte verfahren werde. —
M. H.! Wenn wir so für die Erhaltung der Konfessionsschule eintreten,
so verschließen wir' uns doch nicht der Erkenntnis, daß dieselbe manche Mängel
gezeigt hat und gewiß verbesserungsbedürftig ist. Vorab der Religionsunterricht.
Die falsche Behandlung desselben hat unsere Schulen vielfach in Mißkredit ge
bracht. Was heißt konfessioneller Religionsunterricht? Es heißt nicht, daß die
Kirche allein den religiösen Lehrstoff zu bestimmen hat; es heißt nicht, dieser
Unterricht wird sich mit konfessionellen Streitsachen befassen; es heißt ferner nicht,
die Kinder mit religiösem Wissensstoff beschweren. Es ist auch ein Irrtum,
wenn man die Behandlung des Katechismus als ein wesentliches Erfordernis und
als ein Kennzeichen der konfessionellen Volksschule betrachtet. Eine Schule kann
konfessionellen Charakter tragen, auch ohne Katechismusunterricht zu erteilen.
„Der Begriff der Konfessionalität der Schule schließt nichts anderes in sich als
dies, daß das Ziel und die Mittel des erziehenden Unterrichts in Übereinstimmung
mit derjenigen sittlich-religiösen Weltanschauung stehen, die in einer der historisch

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