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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
steckt. Die Straßenecke, wo unser Krämer wohnt, ist kaum mehr zu sehen, und
es sind doch nur fünf oder sechs Häuser bis dahin.
Oh! plötzlich flammt da unten ein Licht auf! Noch eins! Wieder eins!
Eine kleine Reihe ist es schon! Sechs gelbe Gasflammen brennen. Und da
kommt der Laternenanzünder selbst! Wir wollen ihm guten Abend sagen. Er
ist ein freundlicher Mann, und das Licht, das er anzündet, ist auch freundlich!
Die Straße ist auf einmal ganz anders geworden, ganz gemütlich und sicher.
Nun geh' ich gern zum Krämer an der Ecke!
Jetzt will er die Laterne an unserm Hof anstecken. Er reicht mit dem
langen Stock hinauf. An dem Stock ist ein Haken, und außerdem brennt eine
kleine Flamme darauf. Mit dem Haken dreht er den Gashahn auf, und nun
hält er die Flamme an den Brenner. Da! blau flackert es auf! die Laterne
brennt.
Am Tage ist der Laternenmann auch schon dagewesen. Er hat eine Leiter
gehabt. Bedächtig hat er sie angelegt, bedächtig ist er eine Stufe nach der
andern hinaufgestiegen und hat die Laterne geputzt. Dann hat er das Glas-
türchen zugeworfen und ist bedächtig wieder heruntergeklettert.
Und heute nacht, um Mitternacht, wenn wir ruhig schlafen, muß er noch
einmal denselben Gang machen und die Straßenlaternen halb herunterdrehen.
Uber Nacht brauchen sie nicht so hell zu brennen. Und morgen früh wird er
kommen und die Flammen auslöschen, der fleißige Laternenmann!
Wo wir früher wohnten, hatten wir gerade eine Laterne vor dem Hause?)
Wenn wir abends heimkamen, schien sie so freundlich in unsere Stube hinein.
Es sah aus, als ob drinnen Licht brennte. Sie stand hinter einem großen
Lindenbaum, und wir sahen die Schalten der Lindenblätter auf der hellen Tapete.
Es sah so schön aus.
Unser Laternenanzünder hieß Herr Behrens. Er kam abends nie allein.
Immer war sein kleiner Junge bei ihm. Es war ein stämmiger Junge von
acht Jahren; Otto hieß er. Wenn Herr Behrens die Leiter anlegte, guckte Otto
aufmerksam zu, ob sie auch fest stände zwischen den Pflastersteinen. Wenn der
Vater dann hinaufstieg, um die Laterne zu putzen, hielt Otto mit beiden Armen
die Leiter fest. Otto hatte seinen Vater sehr lieb; der Vater hinkte ein wenig.
Er war früher einmal mit der Leiter gefallen.
Pa de.
Mülheim a. d. Ruhr.
Pädagogik als Sport.
von R. s. s.
Man sollte eigentlich kaum denken, daß eine so hohe und heilige Sache,
wie die Pädagogik ist, als Sport betrieben, zum Sport herabgewürdigt werden
könne. Aber doch wird sie sehr oft so betrieben. Und eine Herabwürdigung ist
das in der Tat; denn die Pädagogik hat höhere Ziele und soll einen höheren
Geist hegen als der Sport, und eben wenn dies außer acht gelaffen wird, wird
x ) Eine geringfügige Änderung möge hier gestattet sein. („Früher wohnten wir
in Eimsbüttel, in der Fruchtallee . . .")

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