Selbstmorde im jugendlichen Alter.
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der Verewigte die Sturmstillung. Als er das Interesse der Kinder mehr und
mehr steigerte und mit Bezug auf den Angstruf der Jünger sagte: „Wer nicht
beten kann, der gehe aufs Meer," schnellte plötzlich ein Junge empor und rief
laut in die Klasse hinein: „Da hat's mein Vater auch gelernt." Der Höhepunkt
war erreicht und die Lektion nach wenigen Worten zu Ende.
Wiewohl die Behörde ihm jederzeit die höchste Anerkennung zollte — bei
der Pensionierung wurde er noch mit dem Kronenorden dekoriert — hielt er
sich in seiner vornehmen Denkungsart bescheiden zurück. Nach Ruhm geizte er
nicht. Mitte der siebziger Jahre wurde ihm auf längere Zeit vertretungsweise
die Lokalschulaufsicht über sein Kirchspiel angetragen — für Ostpreußen in da
maliger Zeit und auch heute noch eine große Seltenheit — allein er lehnte
kurz und bestimmt ab. Im Verkehr mit den Kollegen, auf Konferenzen u. dgl.
drängte er sich nie mit seinem reichen Wissen in den Vordergrund, feindlichen
Strömungen aber trat er in Wort und Schrift entschieden entgegen.
„Ein großes Muster erweckt Nacheiferung." Das kann man so recht auch
von dem Entschlafenen sagen, der in seiner Gemeinde auf die verschiedenste Weise
vorbildlich wirkte, und nicht zuletzt durch sein Familienleben. Jeden Morgen
pflegte er als gläubiger Christ des Priesteramtes, indem er alle seine Haus
genossen zu einer kurzen Andacht um sich versammelte. Mit seiner edlen Gattin,
in der ihm ein Kleinod beschiedeu war, wie es nur wenigen Menschen zu teil
wird, wetteiferte er in Werken der Nächstenliebe, besuchte die Kranken und
tröstete die Sterbenden, wobei er manche schöne Frucht seiner Arbeit aus der
Schule und Kirche, in der er jeden dritten Sonntag Predigten nach eigener
Ausarbeitung hielt, schauen durfte. Dem Wirtshausleben stand er vollständig
fern und wirkte auch in dieser Beziehung durch sein Beispiel auf die Ein
wohner des Ortes veredelnd, an deren Schicksal er regen Anteil nahm. So
konnte es nicht ausbleiben, daß sein Name nur mit Verehrung von den Leuten
genannt wird, die ihn noch im Grabe segnen.
Wer an mich glaubet, sagt die Schrift, von des Leibe werden Ströme des
lebendigen Wassers fließen. W. S. in K.
Selbstmorde im jugendlichen Alter.
In der „Umschau" behandelt Geh. Medizinalrat Prof. Dr. A. Eulenburg
den Anteil, den die Jugendlichen an der Selbstmordstatistik haben. Dieser Aufsatz
hat für den Lehrer insofern eine gewisse Bedeutung, als darin Schlüsse gezogen
werden auf die Verschuldung des Hauses und der Schule; er verdient um so
mehr Beachtung, als der Verfasser ein großes, völlig einwandfreies, der Be
arbeitung in solchem Umfang zum ersten Mal freigegebenes amtliches Material
benutzen konnte: „nämlich das Aktenmaterial des Kgl. Preußischen Ministeriums
der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten über Schülerselbstmorde
aus den Jahren 1880 bis 1902." Es handelt sich in diesen 23 Jahrgängen
um 1017 Fälle, von denen 245 in Einzelberichten durch Direktoren, Klaffen
lehrer, Angehörige, Ärzte usw. dargestellt waren. Das gesamte Material
stammte mit 694 Fällen aus niederen, mit 323 Fällen aus höheren Schulen.

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