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Die 41. Hauptversammlung des Vereins für
Herbartische Pädagogik in Rheinland und
Westfalen.
Diese Versammlung tagte am 22. Juli in Essen; sie beschäftigte sich mit
2 Arbeiten, die in der „Einladungsschrift" abgedruckt waren: 1. Die Schüler-
Bibliothek, von Töchterschullehrer Th. Hermann in Barmen, 2. Sollen
in der Volksschule auch klassische Dramen und Epen gelesen
werden? Von Rektor Lomberg in Elberfeld.
Die erste Arbeit befaßte sich mit der Jugendliteratur, ihren Mängeln,
ihrer Verwendung, sie war aus der praktischen Tätigkeit erwachsen und darum
für das Bedürfnis der Schularbeit sehr schätzbar. Verfasser stellt hohe An
forderungen; er verlangt Bücher, die die dauernde Liebe des Kindes
gewinnen können, die fürs ganze Leben Wert haben, aus denen ihm Heimat
luft entgegenweht. Damit ist die Fabrikware abgewiesen, die das Zeichen der
„Mache" an der Stirn trägt, die phantasiearmen und unwahren Sächelchen,
die der bloßen Absicht, zu belehren und zu bessern, ihr Dasein verdanken.
Alles Mögliche hat man für die lieben Kleinen zurechtmachen wollen; was für
die Erwachsenen interessant war, wollte man in entsprechender Aufmachung auch
den Kindern ans Herz bringen. So ist die Jugendliteratur ins Ungemessene
angeschwollen, die Schränke der Schülerbibliothekeu sind so gefüllt, daß es für
den Lehrer unmöglich ist, sich mit ihrem Inhalt bekannt zu machen.
Deshalb müßte die Anzahl der Bücher bedeutend beschränkt werden;
das „planlose nichtstuerische Viellesen" muß aufhören. „Man sollte es in die
Familien der Großstadt hineinschreien und in die Schulen: „Besinnt euch dreimal,
ehe ihr dem Kinde ein Buch in die Hand gebt, und besinnt euch hundertmal,
um zu wissen, ob die Zeit des Lesens auch wirklich durch das Buch ausgewogen
wird. Draußen in der freien Natur findet ihr mehr, als das Buch euch gibt."
Dadurch, daß man durch „spannende" Erzählungen bloß unterhalten, also lediglich
das stoffliche Interesse befriedigen will, wird der Geschmack verdorben, sodaß die
kostbarsten Schätze unserer Literatur als langweilig mißachtet werden.
Neben diese Forderung einer Verringerung des Lesestoffes, und
zwar einer Beschränkung auf gediegene, literarisch wertvolle
Bücher stellt Verfasser eine andere, methodisch wichtige: „Das sogenannte
Unterhaltungsbuch soll dem gesamten Schulorganismus a n -
und eingegliedert werden." Diese Privatlektüre soll dem Deutschunterricht,
der Erdkunde und Geschichte, der Kirchen- und Kunstgeschichte dienen. An einer
Reihe von Beispielen zeigt der Verfasier diese Bezugnahme; so wäre etwa zu
lesen: Bei den Christenverfolgungen: „Claudias Garten" von Wildenbruch, bei
der Christianisierung Deutschlands: Riehls: „Im Jahre des Herrn", bei Gustav
Adolf: „Page Leubelfing" von C. F. Meyer, oder „Der Schulmeister und sein
Sohn" von Caspari oder ein Auszug des „Simplizisiimus", bei Goethes
Wahrheit und Dichtung: Gutzkows „Königsleutnant", bei Schillers Leben:
Der Bericht von Andreas Streicher über die Flucht, beim Deutsch-französischen
Krieg: „Die Fröschweiler Chronik", usw. Das Buch soll jedesmal in soviel
Emzelstücken vorhanden sein, wie die Klasse Schülerinnen hat (Verf. geht von
den Berhältnisten der höheren Mädchenschule aus). Wenn jährlich 10 Bücher gelesen

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