Rundschau.
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wohl me der Gedanke gekommen, für diejenigen, die nun einmal auf dem Standpunkt
der Simultanschule stehen, die Konfessionsschule zwangsweise vorschreiben zu wollen.
Es soll jeder seines Glaubens leben und auch seine Kinder danach erziehen dürfen.
Deshalb ist es nicht zu billigen, wenn man in der liberalen Presse erzählt, man habe
sich in Saarbrücken gegen eine gesetzliche Festlegung der Konfessionsschule ausgesprochen.
Die Konfessionsschule kann durch das zu erwartende Gesetz ihr Recht bekommen,
wie auch die Simultanschule. Sollte man aber dieser gesetzlichen Festlegung der
Konfessionsschule den Sinn einer Ausschließung jeder andern Schulart geben wollen,
so würde das nur der Auffassung einer extremen Minderheit entsprechen.
Trakehnen. In den Trakehner Schulverhältnissen ist dadurch eine wichtige Än
derung eingetreten, daß die Aufsicht über die Gestütschulen von der Gestütverwaltung
auf den Unterrichtsminisser übergegangen ist. Dieser hat die Aufficht der Königl.
Regierung in Gumbinnen übertragen. Damit sind die in dem Prozeß gegen den Lehrer
Nickel zutage getretenen Übelstände beseitigt.
Gegen die einseitige Betonung der Biologie, Dr. H. Tittmann wendet sich in
Nr. 33 der Leipziger Lehrerzeitung gegen die einseitige Betonung der Biologie im
naturgeschichtlichen Unterricht. Er weist zunächst darauf hin, daß anderen Momenten
der gleiche Bildungswert zugesprochen werden müsse. Man denke daran, wie ein
genaues Sehen und fortgesetztes Abstrahieren die Betrachtung der Organismen nach
der morphologischen Seite hin erfordert oder wie andererseits das Gemüt zu seinem
Rechte kommt bei einer sinnig-poetischen Auffassung der lebenden Natur. Zweitens
verführt die biologische Betrachtungsweise leicht zu Schlüssen, deren Richtigkeit von der
exakten Forschung durchaus noch nicht bewiesen ist. Drittens behauptet Dr. Tittmann,
daß wir mit der Forderung der rein biologischen Betrachtungsweise der Wissenschaft
vorauseilen: Die Ökologie — so sollte es statt Biologie treffender heißen — ist eine
junge Wissenschaft, die über die Anfänge noch nicht hinausgekommen ist. Sie kann
uns infolgedessen über viele Fragen noch gar keine Auskunft geben — und wir wollen
unseren ganzen Naturgeschichtsplan darauf aufbauen! Oder sind wir imstande, die
Ökologie selbst weiter auszubauen? Es ist mir nun höchst interessant gewesen, in einer
neueren umfangreichen Arbeit über die Methodik des botanischen Unterrichts, x ) die
mir in den letzten Tagen in die Hände gekommen ist, den gleichen Bedenken und Ein
wänden zu begegnen. Der Verfasser, welcher auch als Forscher einen guten Namen
hat, stützt sich auf eine 30 jährige Lehrtätigkeit in der betreffenden Disziplin. Ich halte
seine Stimme für so wichtig, daß ihr unbedingt Gehör geschenkt werden muß. Darum
mögen die Hauptgedanken über die Biologie im botanischen Unterricht hier Platz
finden. „In ebenso einseitiger Weise, wie früher der botanische Unterricht in der
Systematik und Morphologie oder richtiger Terminologie aufging, wird von einer
augenblicklich modernen Richtung die Ökologie als eigentlich einziger und allein frucht
barer Lehrgegenstand angepriesen. So stellt Willmann ganz direkt die Forderung:
Jedes Organ soll aus seiner Verwendung verstanden werden, und Kollbach verlangt:
Die ausführliche Beschreibung eines Teiles soll nur dann stattfinden, wenn es dadurch
gelingt, eine Erscheinung des Lebens aufzudecken oder eine Beziehung zur übrigen
Natur (oder zum Menschen) nachzuweisen. Ja — wenn die Wissenschaft selbst nur
erst soweit wäre! Aber wer erklärt mir auf diesem Wege z. B., warum die
Mehrzahl der Monokotyledonen paralleladrige, die meisten Dikotyledonen netzadrige
Blätter haben? Diese Merkmale, die weder aus der Verwendung der Organe
ohne weiteres zu verstehen sind, noch aus denen eine Erscheinung des Lebens auf
gedeckt werden kann, sind für die Systematik von höchstem Werte und damit auch
für die Abstammungslehre. Wollen also die Okologiefanatiker, die doch wohl
jetzt größtenteils für die Aufnahme dieser Lehre in den Unterricht stimmen, diese
Organisationsmerkmale ganz außer acht lassen, wie es nach den oben zitierten Aus
sprüchen scheinen will? Dazu kommt außerdem noch die Gefahr, die darin liegt,
möglichst alles auch ökologisch erklären zu wollen. Wie viele falsche Deutungen
sind aus diesem Wege zustande gekommen, wie vieles, was z. B. in Kerners Pflanzen
leben zu finden ist, ist wissenschaftlich anfechtbar, und wie viele unvollständige Induk
tionen hat diese Sucht gezeitigt! Ein äußerst krasses Beispiel in dieser Richtung,
welches ich einem sonst verständigen Aufsatz von W. Schoenichen entnehme, will ich
') Methodik des botanischen Unterrichts von Dr. Felix Kienitz-Gerloff, Professor
an der Landwirtschaftsschule zu Weilburg.
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