390
III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
Das 1. Heft umfaßt den Vorkursus und den 1. Teil der Planimetrie, das 2. Heft
den 2. Teil der Planimetrie und die Stereometrie. Eine Eigentümlichkeit beider Hefte
ist die Berücksichtigung der zentrischen und axialen Symmetrie. Die Verfasser lassen
zunächst die symmetrische Gestalt der Figuren, in welcher sie uns in Natur und Kunst
entgegentreten, auffassen und daraus eine Reihe wichtiger Sätze, z. B. die Kongruenz
sätze, ableiten. Dabei ergeben sich zweifellos für die schulgemäße Behandlung man
cherlei Erleichterungen. Bemerkenswert ist es, daß der Vorkursus nicht vom Körper
ausgeht, sondern bei ihm endet. Die Erfahrung bei umgekehrtem Gange spricht gegen
diese Anordnung. Zu loben ist die stetige Herausarbeitung eines Zieles am Beginn
jeder methodischen Einheit, sowie die ausgedehnte Verwendung der zeichnerischen Fertig
keit des Schülers, ganz besonders während des Vorkursus.
2. Schürmann: Kleine praktische Geometrie. 17. Ausl. Moers 1904, Spaarmann.
Für die Leser dieses Blattes bedarf das von Rektor Horn bearbeitete altbewährte
Lehrbuch keiner besonderen Empfehlung. Die kundige Hand des Bearbeiters hat sich
von der 9. Auflage an in fortgesetzten Verbesserungen immer wieder gezeigt. Die be
deutsamste Änderung der beiden letzten Auflagen bestand darin, daß die beigegebenen
Figuren viel deutlicher geworden und in einem kleinen handlichen Heft gesondert zu
sammengefaßt sind.
3. Braune: Raumlehre für Volks-, Bürger- und Fortbildungsschulen sowie für
Präparanden-Anstalten. Bearbeitet von Skorczyk. Halle 1903, Schroedel. 0,75 M.
Das Buch ist eine in Rücksicht auf die neuen Lehrpläne vom 1. Juli 1901 ver
anstaltete Neubearbeitung der bekannten Raumlehre von Kreisschulinspektor Braune.
In der Form ist im allgemeinen die mathematisch-wissenschaftliche Beweisführung durch
geführt. Die Lehre von der Gleichheit der Figuren (Berechnung, Verwandlung und
Teilung) ist vollständig zum Abschluß gebracht. Die Reihenfolge der Abschnitte ist
gegen früher geändert zugunsten eines kurzen Vorkursus der Planimetrie. Der pytha
goreische Lehrsatz ist dem Abschnitte von der Verwandlung und Teilung der Figuren
eingefügt worden.
4. Skorczyk: Leitfaden der Geometrie für Präparanden-Anstalten und Seminare.
Halle 1903, Schroedel. 2 Teile, je 1,50 M.
Das Werk gibt im 1. Teil die Planimetrie, im 2. Teil die ebene Trignometrie
und die Stereometrie. In allen Kapiteln merkt man, daß das Buch aus lebenswarmer
Praxis hervorgegangen ist. Das zeigen besonders die überall angeschlossenen, sehr
glücklich gewählten Konstruktionsaufgaben, unter welchen die typischen als „Funda-
mental-Aufgaben" eine ausführliche Darstellung und Lösung gefunden haben. Die
Beziehungen zwischen Algebra, Arithmetik und Geometrie sind nach Möglichkeit hervor
gehoben. Zu loben ist ferner der breite Raum, den die vielen scharf gezeichneten,
charakteristischen Figuren einnehmen, sowie auch die Sorgfalt, welche der Verfasser
durchweg der sprachlichen Darstellung gewidmet hat.
5. Coym, G.: Geometrie der Ebene. Leipzig, Schneider. 2 Teile, je 0,80 M.
Ein interessantes, eigenartiges Merkchen. Es behandelt den Lehrstoff der beiden
ersten Lehrjahre und Geometrie. Dem Verfasser kam es nicht nur darauf an, geome
trische Einsicht zu entwickeln, sondern auch zu ihrer sicheren und selbständigen An
wendung zu befähigen. Darum werden auch die Schüler nach jedem Beweise von
seiner Wichtigkeit und Notwendigkeit durch sofort angeschlossene Konstruktionen und
Aufgaben überzeugt. Die Methode des Verfassers geht darauf aus, die Geometrie
ihres antiken, euklidischen Charakters zu entkleiden und zu einem modernen Lehrfache
zu machen; an Stelle des logischen Schlusses treten Anschauung und Selbsttätigkeit.
Der 1. Teil gibt einen „Anschauungskursus der Geometrie und Elementarkursus der
Konstruktionslehre." Im 2. Teile — „Die Kongruenz als Beweismittel und die An
wendung des Hülfsdreiecks" ist der Beweis der Kongruenzsätze durch Zeichnen be
merkenswert Die beiden Hefte, deren Druck und Ausstattung vorzüglich sind, sollen
in Hamburger Lehranstalten sehr beachtenswerte Unterrichtserfolge gezeitigt haben.
II. Methodische Schriften.
1. Wienecke, E.: Der geometrische Vorkursus in schulgemätzer Darstellung. Leipzig
1904, Tenbner. 97 S.
Der Verfasser sieht die Aufgabe des Vorkursus nicht nur in der anschaulichen
Vorbereitung der Auffassung geometrischer Grundwahrheiten, sondern „er soll auch
propädeutisch sein hinsichtlich der Beweisführung, indem er den logischen Schluß an-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.