Aus Zahns Leben.
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und empfing einen Segen aus der Verbindung mit diesem Edlen, der
mir wohl erst in der Ewigkeit ganz klar werden wird. Keine Gestalt
tritt so oft in entscheidenden Momenten des Lebens mir so klar vor
die Seele, wie die Gestalt dieses „lieben Baron Kottwitz", wie er immer
von seinen Freunden genannt wurde. Er und ein anderer Edler, der
Enkel des Grafen Zinzendorf, der Graf Dohna, der eine Zeitlang
mein Vorgesetzter war, als Kurator des v. Fletcherschen Seminars in
Dresden, dem ich von 1827—1832 vorstand, sind die beiden teuren
Männer, die oft warnend, tröstend, in ernster Erinnerung vor mich
treten, und zwar mehr durch die Eigentümlichkeit ihrer ganzen Er
scheinung, durch einzelne zur rechten Stunde angebrachte kurze Sprüch
lein und Verslein, als durch große Reden und schlagende Auseinander
setzungen. Nicht durch bestimmten Rat, den sie für bestimmte Fälle
erteilten, nein, durch Schweigen, durch Andeuten, durch ihre ganze
Erscheinung. Sie waren ihm und vielen andern jungen suchenden
Männern wie die Wolken- und Feuersäule in der Wüste, sie gaben
die Richtung an des Weges und überließen es den Hobabs, die
Lagerstätten, das Einzelne, näher zu bezeichnen. 4. Mos. IO, 31.
Doch zu unserm Baron von Kottwitz zurück.
Was er nun dem Dorf-Chronisten war, das ist er vielen, vielen
jungen Männern in ganz Deutschland gewesen. Eine solche eigen
tümliche Wirksamkeit möchte sich selten wieder finden, so Bedeutendes
in zum Teil so unscheinbarer Form. Alle Lebensgebiete waren ihm
wichtig, aber überall sah er nach dem Kern, und sein Blick hatte
darin eine großartige Schärfe, die um so mehr auffiel, da er sonst
wohl für gewisse Dinge kein Auge zu haben schien. Unwahres, Schein
wesen, was auf den Höhen einherging, ohne durch aufrichtige Buße
gegangen zu sein, fand an ihm einen scharfen Richter, während er
sonst in Liebe tragen, abwarten konnte wie wenige.
Das sei genug für diesmal. Wir betrachten es als den Anfang
und wollten damit auch seine vielen Freunde in Deutschland, denen
dies zu Gesichte kommen möchte, bitten, mir über das Leben dieses
Edlen doch das mitzuteilen, was ihnen bekannt. Von mehreren
Freunden des Seligen ist mir schon manchmal der Wunsch aus
gesprochen worden, ich möchte dazu die Hand bieten.
Ich tue es hiermit und werde aus den Mitteilungen erkennen,
was dann etwa weiter in der Sache zu tun."
Zahn betrieb seine theologischen Studien mit solchem Erfolg, daß
ihn Professor Neander für die akademische Laufbahn zu gewinnen
wünschte, doch wandte er sich 1825 der Lehrerbildung zu.

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