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I. Abteilung. Abhandlungen.
Wohl war nach Harnischs Wort damals schon ein Meltau auf
das nach den Jahren der Erniedrigung frisch aufblühende preußische
Volksschnlwesen gefallen. Das von Süvern ausgearbeitete organische
Schulgesetz blieb unausgeführt liegen, und Süvern starb an dem
Schmerz über dessen Vertagung, oder, wie O. Schulz sich ausdrückt,
„an dem Schmerz über die Hemmung seiner Wirksamkeit". Aber
einer der Hauptwünsche Süverns war doch in Erfüllung gegangen.
Wenige Monate vor seinem Tode hatte er einem Freunde, den das
Ministerium für das Volksschulwesen hatte ausbilden lassen, ge
schrieben: „Es wird hier nicht anders und kann bei uns aus dem
ganzen Volksschulwesen nichts werden, wenn Sie nicht herkommen
und es nach Erfahrungen bearbeiten." 1825 lag die Sorge für das
Volksschulwesen zum erstenmal in den Händen eines Mannes, der
eigens für dasselbe bestellt war. Mag auch manches gegen Beckedorf
zu sagen sein, der Ruhm wird ihm verbleiben, daß er sich des Volks
schulwesens ernstlich und hingebend annahm, daß er sein Amt in dem
Geiste Süverns und Mcolovius' erfaßte. Zahn rühmt von ihm:
„Der Mann stand für die Seminarien und, so weit das nach Um
ständen möglich war, für das Volksschulwesen. Es war seine Sache;
er hatte berufsmäßig keine andere. Mit Liebe nahm er sich der
Volksschulmänner an; er führte die jungen Männer in die Vorhallen
des Volksschulwesens, verschaffte ihnen Gelegenheit, Unterrichtsanstalten
kennen zu lernen; kein Schulmann ging von ihm, ohne in irgend
einer Weise lebendig fürs Fach angeregt zu sein. Kurzum, die Volks
schule hatte einen Mann, der sie mit Liebe vertrat, an den sich die
Volksschulmänner heranmachen konnten, wie um einen Mittelpunkt"
(Schul-Chronik 1845, S. 390). v. Beckedorf ist es auch zu danken,
daß Zahn dem Seminardienst gewonnen wurde. Er veranlaßte ihn,
sich ein Seminar näher anzusehen, führte ihn in Berlin zu Cogier,
dem Meister im musikalischen Unterricht, um dessen Methode kennen
zu lernen, und scheint sich überhaupt des jungen Mannes sehr
freundlich angenommen zu haben. Zahn ging nach Potsdam, und
das gab nach seinen eigenen Worten den Ausschlag, daß er sich dem
Seminarleben widmete?)
0 Der erste Direktor des 1813 von Berlin nach Potsdam verlegten Seminars
war Karl Friedr. von Klöden, der von 1786—1856 lebte und nach seinem Abgang
vom Seminar (1824) Direktor der neugegründeten ersten Gewerbeschule in Berlin
wurde. v. Klöden war ein außergewöhnlich tüchtiger sslk made man, dessen „Jugend
erinnerungen", herausgegeben von Max Jähns, Leipzig 1874, Grunow, schon wegen
der ebenso interessanten wie lehrreichen Entwicklungsgeschichte eines bedeutenden

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