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I. Abteilung. Abhandlungen.
längst hindurch durch die enge Pforte, die in das weite, ewige, herr
liche Himmelreich führt, und dort werden von seinem Angesicht ab
gewischt sein die Tränen, die er hier geweinet. Ja, die Feinde von
innen und von außen haben ihm gehörig zugesetzt, wie's allen geht,
die den guten Kampf des Lebens kämpfen wollen, die müssen Spott
und Geißeln erleiden, sie werden gesteinigt, gehackt, zerstochen durch
Steine der Lästerung und spitzige Zungen, gehen einher mit Mangel,
mit Trübsal, mit Ungemach. Das sind alles Merkzeichen von solchen
Leuten, die „inwendig glänzen, obgleich sie von außen die Sonne
verbrannt", „deren die Welt nicht wert ist" und von welchen noch
gar viel Herrliches geschrieben steht Hebräer am elften.
Aber nun zu dem Manne selbst.
Er war entsprossen aus dem sehr alten und edlen Geschlechte der
Burggrafen und Grafen zu Dohna, deren Hauptsitz gegenwärtig noch
in Preußen ist. Von mütterlicher Seite war er der Enkel des Grafen
von Zinzendorf, des Stifters der Brüdergemeine. Und in der Brüder
gemeine erhielt er seine Jugenderziehung und blieb sein Leben lang
in innigem Zusammenhang mit derselben.
Der Dorf-Chronist will nun ganz kurz nur angeben, wie er ihn
kennen gelernt hat.
Der Graf zu Dohna war nämlich einer von den drei Kuratoren
des v. Fletcherschen Schullehrer-Seminars. Die beiden andern
Kuratoren waren der Graf Detlev v. Einsiedel (Kabinettsminister in
Sachsen unter August dem Gerechten und unter König Anton) und
ein Graf v. Hohenthal. So war denn der Burggraf zu Dohna vom
Jahre 1827—1832 der teure Vorgesetzte des Dorf-Chronisten, der zu
der Zeit Direktor des Fletcherschen Seminars in Dresden war.
Der Graf zu Dohna hatte kurz vorher seine Besitzung in der
Nähe von Dresden, das Schloß Hermsdorf, verkauft und lebte dazumal
auf seinen Gütern in der Lausitz (Mönau und Uhyst), oder auf dem
Schlosse zu Herrnhut. — Er kam also nur dann und wann zum
Besuch nach Dresden. Das junge, eben erst ins Leben getretene
Seminar lag ihm ganz besonders am Herzen. Denn für die Schule
hatte er immer ein volles Herz und brachte Opfer für dieselbe, die
wohl oft seine Kräfte überstiegen. Schon früher hatte er ein Seminar
auf seinem Gute zu Uhyst in der meist wendischen Lausitz errichtet.
Mancher junge Mann verdankt ihm die Mittel zu seiner Ausbildung.
Der teure, mir unvergeßliche Seminarlehrer Suschke war z. B. sein
Pflegekind. Und wenn der Graf nur diesen kindlichen, treuen Lehrer
hätte ausbilden lassen, so hätte er ein Werk für die Ewigkeit getan.

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