Aus Zahns Leben.
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Beide sind nun schon vollendet und sind aus der diesseitigen Schule
in das Leben ohne Streit und Tränen hinübergegangen. — Die
Schule in Hermsdorf war lange unter dem würdigen Kantor Eckhardt
ein kleines Seminar, und der Graf Dohna war es, der diesen seltenen,
liebenswürdigen, fein gebildeten Lehrer dahin zog. Er ist auch nicht
mehr hienieden, dieser treue Lehrer, der mir nach seiner ganzen Er
scheinung noch immer als das edle Bild eines echten Volksschullehrers
vor die Seele tritt. Der eigentümliche, selten begabte Pastor Roller
in Hermsdorf muß notwendig hier mit erwähnt werden; er ist auch
schon abgerufen aus dem Kreise, der sich um den Grafen Dohna
damals in Hermsdorf bildete, und in dem das Wort der Wahrheit
die einige Richtschnur des Lebens war. Während Unglaube und ab
gestorbene Rechtgläubigkeit Sachsen zu einem traurigen Totengebein-
Felde machte, ward in solchen Kreisen der Same zu einem frischern
christlichen Glaubensleben bewahrt. Hermsdorf erhielt so in jener Zeit
(1830) sein christliches Gesangbuch, welches schon damals mutig den
alten Schatz des deutschen Kirchenliedes festhielt, und damals gehörte
dazu noch Mut, 1850 versteht es sich fast von selbst.
An allem nun, was Kirche und Schule betraf, die Notstände des
Volks, — die ganze Sache der sogenannten Innern Mission — dafür
hatte der Graf Dohna ein warmes Herz und allezeit offene Hände.
Und da ihm zuletzt die Mittel abgingen, äußerlich zu helfen, blieb er
(was ja doch immer das Erste und Beste ist) ein treuer Beter. Einst
in der Ewigkeit wird es erst recht klar werden, welche Werke ihm
nachgefolgt sind. Seine Liebe, seine Innigkeit, sein scharfer Blick in
falsches Geistesleben, und dabei sein allezeit mildes Wort in Strafe
und Ermahnung, werden sein Gedächtnis in Ehren erhalten bei allen,
die ihm nahe standen.
Doch es sei jetzt genug. Schon ist die hie^ gesteckte Grenze
überschritten, wir müssen abbrechen. . . .
Zum Schluß ein Wort des seligen Grafen Dohna an den Dorf-
Chronisten, da derselbe 1832 Dresden verließ und hierher an den
Rhein zog. Da schrieb er von Mönau aus unterm 15. Juni 1832
folgende Worte zum Abschied:
„Bei der wenigen Aussicht, die ich habe, Sie vor Ihrem Abgang
von Dresden noch einmal zu sehen, kann ich nicht unterlassen, Ihnen
noch einige Worte des Dankes und der Liebe zum Abschied zuzusenden.
Daß ich Ihre Dienste an unserm Institut stets in einem gegen Sie
dankbaren Andenken behalten werde, ist eine Sache für sich, worüber
ich nichts weiter zu sagen brauche. Aber es verbindet mich mit Ihnen

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