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I. Abteilung. Abhandlungen.
und zieht mich zu Ihnen eine herzliche Liebe, gegründet auf unsern
gemeinschaftlichen Herrn und den Glauben an ihn, und auf unsern
gemeinschaftlichen Beruf „Sein zu sein, ihm zu leben, ihm zu sterben".
Und diese Verbindung macht das Scheiden aus äußerem, gemeinschaft
lichem Wirken und aus äußerem Nahestehen schwer und schmerzlich.
Nun, wir behalten einander lieb, beten füreinander, vergessen nicht
die unter den Augen des Herrn zusammen verlebten guten Stunden,
vergessen aber dessen, was unser war in Handlung und Rede; und so
wird der Bund fest stehen, der ja nicht für diese Zeit, sondern für die
Ewigkeit geschlossen werden muß und geschlossen worden ist. Lassen
Sie uns denn diesen Bund noch in Hinsicht auf einen besondern
Gegenstand des Christen-Ganges und Lebens schließen, nämlich auf
Förderung inniger, treuer und nachsichtsvoller Liebe aller wahren
Gläubigen untereinander, auf daß „in dieser letzt betrübten Zeit"
beachtet und mit ehrfurchtsvoller Liebe befolgt werde das letzte Gebot
unseres lieben und liebenden Heilandes — das letzte vor seinem
Todesgang — „Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter
einander liebet!" Lassen Sie uns, jeder in seinen Verhältnissen, hier
nach selbst reden und tun und dann, die um uns sind, bitten, die
jetzt so wichtige Zeit nicht zu vertun mit scharfem Erkennen und mit
Urteilen der Meinungen, der Lehrstücke und der Lehrweisen gläubiger
Mitbrüder, sondern diese Zeit auszukaufen, daß wir lernen lieben,
„lieben ihn, unsern Herrn, und die Brüder," „die schwerste Lektion für
das arme Ich," aber die gesegnetste für die Ewigkeit!""
1832 kam Zahn als Nachfolger Diesterwegs an den Rhein nach
Mörs. Der Ruf eines Pietisten war ihm vorausgegangen, und nicht
nur die Seminaristen sahen ihn mit gemischten Gefühlen kommen,
auch in weiteren Kreisen herrschte vielfach die Besorgnis, die Bildungs
ziele des Seminars möchten unter dem neuen Direktor zurückgeschroben
werden. Mit besonderer Dankbarkeit erinnerte sich Zahn später wohl
der 3 Pfarrer und 3 Lehrer, die ihm mit herzlichem Vertrauen
entgegengekommen waren.
Es waren allerdings sehr verschiedene Weltanschauungen, in denen
Diesterweg und Zahn lebten, und dementsprechend waren auch ver
schieden die Ziele, die sie ihrer Arbeit im Seminar und sonstwo setzten.
Aber sie waren beide ideal gerichtete Männer, und die verstehen sich,
mögen ihre Weltanschauungen sich noch so hart bekämpfen. Daß Zahn
Diesterweg zu schätzen wußte, hat er in dem Aufruf zur Seminar-
Jubelfeier bewiesen (S. 260), daß auch Diesterweg sich mit Zahn

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