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Aus Zahns Leben.
verständigt haben würde, beweisen die ersten Jahrgänge seiner rheinischen
Blätter (1827 ff.).
Die Einsichtigen unter seinen Schülern merkten bald, daß auch
Zahn etwas zu bieten hatte und nicht minder wie sein Vorgänger
ein Freund und Pfleger der Bildung und speziell der Lehrerbildung
war. Sein lebendiges Interesse für alle Bildungs- und Volks
wohlfahrtsfragen änderte dann auch bald das Urteil der weiteren
Kreise.
Eins blieb allerdings für alle Zeit dasselbe, und ich erachte dies
für ein besonders günstiges Zeichen der Bedeutung Zahns. Sowohl
unter seinen Schülern, wie unter den Lesern seiner Bücher und Ab
handlungen rief er alsbald eine Scheidung der Geister hervor. In
einem bergischen Pfarrkränzchen wurde vor stark 50 Jahren über
Zahns biblische Historien verhandelt. Ein Pfarrer äußerte sich sehr
geringschätzig über dieselben; eine solche Auswahl könne wohl jeder
machen und ihr einige lehrhafte Sprüche zufügen. Ein anderer sagte,
er wähle gern seine Texte aus Zahns Historien und kenne trotz ihrer
Einfalt keine bessere Handreichung zur Vertiefung in den Text als die
Zahnschen Lehren und benutze sie darum gern und dankbar für die
Ausarbeitung seiner Predigten. Ähnlich ging's bei den Schülern
Zahns, den Seminaristen. Alle Verständigen, die aus dem Seminar
gingen, wußten, daß sie nichts wußten, daß es viel zu lernen gelte,
um für seinen hohen Beruf recht ausgerüstet zu sein. Ein Teil
dankte ihm dies wenig und hätte gern praktische Anweisungen
(Rezepte) gehabt; die andern dankten um so mehr, brachten sie doch
die Kunst, zu suchen und zu fragen, mit aus dem Seminar und die
Zuversicht, daß Gott es dem Aufrichtigen gelingen läßt. Im tiefsten
Grunde erfolgte diese Scheidung nach der Goetheschen Weltfrage:
Glaube oder Unglaube? Doch auch die noch Suchenden fanden sich
von Zahn sehr angezogen.
Besonders lag Zahn in seinen ersten Mörser Jahren neben dem
Seminar die Sorge für die Präparanden am Herzen. In seinen
Berichten an die Regierung kommt er immer wieder auf diesen wunden
Punkt zurück. So schrieb er 1834 u. a.: „In der Regel melden sich
bei unsern Aspirantenprüfungen 40—60 junge Leute zur Aufnahme
ins Seminar; meist sind dieselben Gehülfen von 18—22 Jahren und
über die Jahre hinaus, wo von eigentlicher Bildung oder Erziehung
recht die Rede sein kann. Dem innersten Kern nach sind sie, was sie
sind. Die stete Grundstimmung meines Gemütes bei den Aspiranten
prüfungen, wenn ich die große Schar junger Leute, das eigentliche

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