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I. Abteilung. Abhandlungen.
Seminar des Seminars, unsere zukünftige Hoffnung, betrachte, ist
eigentümlicher Art. Ich muß sagen: Ihr seiget Mücken im Seminar;
ihr lasset diese schöne Baumschule ganz sorglos zufälliger Pflege an
heimfallen, hebt jährlich 15 Bäumchen heraus, von denen immer ein
gut Teil kränkelt; ihr klagt, daß ihr so wenig aus diesen Bäumchen
ziehen könnt, und doch sorget ihr nicht für die Pflege der so wichtigen
Baumschule. Ohne Bild: Wir lassen unsere Leute in dem wichtigsten
Zeitpunkte ihrer Entwicklung, nämlich vom 15. bis zum 18. oder
20. Jahre, mehr oder weniger verderben und quälen uns dann zwei
Jahre im Seminar, um das Verdorbene wieder gut zu machen.
Heißt das nicht Unkraut säen lassen, um das Vergnügen zu haben,
es wieder ausraufen zu können?"
Bei der Behörde fand Zahn kein Gehör, und so legte er selbst
Hand an. 1836 gründete er in Mörs eine Präparanden-Anstalt, die
bald nach dem 20 Minuten von der Stadt entfernt gelegenen Fild,
Zahns Wohnsitz, verlegt wurde und bis zum Jahre 1887, wenn auch
mit neuer Aufgabe, unter dem Namen „Filder Erziehungsanstalt"
bestanden hat. Zahns letzter Gedanke hierbei war, daß es auch bei
der Vorbereitung auf den Lehrerberuf gelte, zuerst die allgemeine,
danach die Fachbildung ausreichend zu besorgen. Wenn einmal gespart
werden müsse, könne es unschädlicher an der Fach- als an der all
gemeinen Vorbildung geschehen.
Soviel Sorgfalt Zahn auch seiner Neuschöpfung zuwandte, zeigte
sich doch bald, daß die Präparanden-Anstalt als solche nicht bestehen
konnte, da sie in den beteiligten Kreisen nicht die notwendige Unter
stützung fand (Zuweisung von Schülern, Unterstützung derselben rc.).
„Es war noch nicht die Zeit der Feigen." Um wenigstens das
Mögliche zu tun, verwandelte Zahn die Anstalt in eine allgemeine
Erziehungs-Anstalt, die auch als solche angehenden Lehrern stets eine
freundliche, sehr dankenswerte Aufnahme bot. Auch Dörpfeld war
mit seinem Freunde, dem späteren Gymnasial-Direktor Hollenberg,
Schüler der Anstalt, ebenso Dörpfelds Sohn, der Professor Dörpfeld
in Athen. Nach ihrer Seminarzeit waren Dörpfeld und Hollenberg
auch Lehrer der Filder Anstalt. Beide haben es wiederholt bezeugt,
wie dankbar sie sich dieser Zeit erinnerten. 1846 hatten von 215
jungen Leuten, die die Anstalt bis dahin besuchten, 119 sich dem
Lehrerberufe gewidmet.
Gleich nach seiner Übersiedelung nach Mörs brachte Zahn einen
länger gehegten Gedanken zur Ausführung und gründete die „Rheinische
Schulbuchhandlung". Sie sollte einen Doppelzweck erfüllen, in

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