Aus Zahns Leben.
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christlichem Geiste gehaltene gute Bücher verlegen und zu billigem
Preise unter das Volk bringen, und daneben Volks-Wohlfahrts-
Einrichtungen mit ihren Erträgen unterstützen. Auch Prof. Lange in
Bonn hat dem edlen Zweck der „Rheinischen Schulbuchhandlung"
durch Überlassung seiner „Vermischten Schriften", 4 Bände, u. a.,
freundlich gedient, wie er auch an Zahns Schul-Chronik mitgearbeitet
hat. Zahn hat seine sämtlichen Schriften, auch die Schul- und Dorf-
Chronik, diesem Verlag übergeben. Sachkundige könnten einmal
kalkulieren, was für einen persönlichen Gewinn er sich allein dadurch
hat entgehen lassen, daß er seine biblischen Historien so uneigennützig
hingegeben hat. Ich kann nur sagen, daß aus den Erträgen der
Rheinischen Schulbuchhandlung bis zum Jahre 1840 Prediger- und
Lehrersöhne 701 Taler, von 1840—1843 über 800, bis zum Jahre
1846 im ganzen 2370 Taler 6 Sgr. 4 Pfg., also über 7100 Mark
an Unterstützung auf der Präparanden-Anstalt empfangen haben.
Was Zahns Pädagogik charakterisierte, ist, daß er ein christlicher
Lehrer sein und immer mehr werden wollte.
Gymnasial-Direktor Hollenberg sagt von ihm: „Soll ich sagen,
was mir als einem in niederrheinischen reformierten Kreisen Auf
gewachsenen an Zahns Unterricht am meisten auffiel? Ich glaube
mich nicht zu irren, wenn ich sage, daß damals in meinen Kreisen
das religiöse, biblische, kirchliche Element von dem gewöhnlichen, welt
lichen, verständigen, ganz getrennt war; es waren zwei verschiedene
Welten; in jener herrschte ein fester, biblisch-prophetischer, pietistisch
angehauchter Sprachgebrauch, den jedermann handhabte. Man fand
keinen Übergang von da zum gewöhnlichen, wirklichen Leben. So
wurde jene Sprache mehr und mehr ein Jargon, das Leben litt dar
unter wie unter jedem solchen Dualismus. Bei Zahn sah ich zuerst
diesen Dualismus überwunden. Lebendiges, frommes Gefühl lebte in
ihm, aber es durchdrang so vieles, was mir profan erschienen war.
Es wird immer schwierig sein für meine Landsleute, frommes und
geistreiches Wesen in ein und demselben Charakter zusammen zu
denken. In der Tat wird es, um Zahn am besten zu würdigen, gut
sein, seine Unterrichtsstunden als lebhafte Konversation aufzufassen,
denn bei dieser Auffassung ergibt sich von selbst eine mannigfaltige
Diktion, und manche Wendung, die an sich vielleicht den Ernst der
Sache nicht abspiegelt, stellt sich im Zusammenhang des Ganzen
wieder zurecht. Mir ist es unvergeßlich, wie mir in seinen Religions
stunden und seinen Ansprachen und Predigten aufging, man könne
über die tiefsten Interessen der Seele ganz menschlich reden, und

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