Napoleons Zug nach Rußland.
41
dafür gesorgt worden, daß es die Franzosen in ihrer Ver
pflegung nicht zu gut hatten! Sch. Die meisten Nahrungsmittel waren
fortgeschafft worden. Tausende von Wagen waren dazu nötig gewesen. L. W o
sich Napoleon einquartierte, werdet ihr euch schon denken!
Sch. Er wohnte in der alten Kaiserburg. L. Warum wurde es bald
ganz ruhig in der Stadt? Sch. Die todmüden Krieger streckten sich zum
Schlafe aus. Bald herrschte Totenstille in der Stadt. L. Da huschten
wieder verdächtige Gestalten durch die Gassen. In ihren
Händen trugen sie brennende Pechfackeln. Hier und da zündeten
sie Häuser an. Rote Feuersäulen stiegen zum schwarzeu Nacht-
Himmel empor. Die schlaftrunkenen Krieger achteten kaum
darauf. Am hellen Tage sahen sie dem Feuer zu; noch schien
es ihnen nicht gefährlich. Am Abend aber wurde es schon
schlimmer. Überall gab's neue Brände. Der Stadtkommandant
hatte befohlen, die Stadt an allen Ecken anzuzünden. Auf
welche Weise sollte nun das Feuer bezwungen werden?
Sch. Napoleon gab den Befehl zum Löschen. Die Spritzen wurden gesucht.
L. Man fand aber keine. Die Russen hatten alle Löschgeräte
fortgeschafft. Erzählt nun, wie sich das Feuer weiter aus
breitete! Sch. Das große Feuer wuchs von Stunde zu Stunde. Immer neue
Straßen wurden von den Flammen ergriffen. L. Napoleon stand in der
Nacht an einem Fenster des Kreml und schaute in das Feuer
meer hinaus. Ein Sturm hatte sich erhoben, der die Flammen
wogen vorwärts trieb. Zwar stand der Kreml noch wie eine
Insel im wilden Meere; doch schon bald stiegen die gierigen
Feuerwellen an den Mauern des Schlosses empor. Wozu war
da Napoleon genötigt? Sch. Er mußte den Kreml verlassen und vor
die Stadt zu kommen suchen. L. Das ist ihm gewiß nicht leicht
geworden! Sch. Er mußte sich einen Weg durch die brennenden Straßen
suchen. L. Durch eine enge, raucherfüllte Gasse eilte er vorwärts.
Da stürzten brennende Balken vor und hinter ihm zusammen.
Er konnte nicht weiter kommen, und der Rauch nahm ihm fast
denAtem. Da zog ihn ein Soldat durch die rauchenden Trümmer
fort, und glücklich erreichte er das Freie. In einem Lustschlosse
vor der Stadt nahm er nun Wohnung. Die Riesenstadt brannte
nicht ganz nieder, weil der Himmel zu löschen anfing! Sch. Es
fing heftig an zu regnen, und das Feuer verlöschte, ehe Moskau ganz zu Asche
wurde. L. Aber neun Zehntel der Riesen st adt haben sich doch in
einen rauchenden Trümmerhaufen verwandelt. Wie war den
armen Soldaten wohl zu Mute? Sch. Die armen Soldaten waren
traurig. Mit trübseligen Blicken schauten sie über die rauchenden Ruinen hin.
L. Sie gedachten wohl ihrer Zukunft! Sch. Sie haben sich gesagt:
Mit unsrer Winterruhe ist es aus. Bald wird uns der böse Hunger wieder
quälen. Dreihundert Stunden sind wir von der Heimatgrenze fern. Ach, was
soll aus uns noch werden?

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.