410 I Abteilung. Abhandlungen.
es gebe keine Barriere zwischen den religiösen Vorstellungen und den
andern."
Es war ein von Zahn oft gebrauchtes Wort, daß es noch
Kronen zu erringen gelte in der Arbeit um die Durchdringung unsrer
sämtlichen Verhältnisse mit christlichem Geiste. Daß die Mahnung zu
dieser Arbeit auch jetzt noch, ja jetzt mehr als früher, zeitgemäß ist,
bedarf für den Einsichtigen keines Beweises. Ist es doch für imsere
Zeit charakteristisch, daß wir, so eifrig wir uns auch bemühen, die
mannigfach hervortretenden Notstände zu lindern, ebenso untätig sind,
ihre Quellen zu verstopfen. Die Sonntagsruhe ist gewiß für die
Bediensteten unserer Geschäfte eine Wohltat, kann ihnen aber auch
sehr verhängnisvoll werden. Was tun wir, sie vor dieser Gefahr zu
schützen? Unsere Fürsorge für die Kinder in Krippen, Kleinkinder-
und andern Schulen ist gewiß dankenswert, wenn das Pflichtgefühl
der Eltern und sonst Verpflichteten durch sie nicht geschädigt wird.
Was geschieht, diese Schädigung fern zu halten? Wir kämpfen für
die Erhaltung der evangelischen Volksschule, aber haben wir sie? Wo
ist denn die evangelische Gemeinde, die die Schule trägt, die ihren
Nährboden, ihr Anschauungs- und Übungsfeld bilden muß? Wo ist
die gemeinsame Arbeit der verschiedenen Erziehungsfaktoren, das heran
wachsende Geschlecht einzuführen in das Leben der Gemeinde, es
geschickt zu machen für die Fortführung desselben? Was tun wir
von seiten der Schule, die für das Gelingen unserer Arbeit unerläß
liche Erziehungsgemeinde und ihre geordnete Mithülfe zu gewinnen?
Was für eine pädagogische Anschauung liegt dem Tun in unsern
Großstädten zugrunde, wenn man ch bei schlimmeren Verfehlungen
der Schuljugend damit bewandt sein läßt, dem Lehrer oder dem
Richter die Bestrafung zuzuweisen und man keine verpflichteten Eltern
mehr kennt?
Wenn Zahn noch unter uns weilte, so würde er sicher nach
solcher Umschau nicht schweigen, sondern sagen: „Freunde, hier gilt's
Kronen zu erwerben durch frisches Angreifen zur Besserung des
Kranken, durch christlich freies Aussprechen über das Verkehrte, wo
man allein nicht zu bessern vermag.
Über die Leitung des Volksschulwesens hat Zahn eine hoch
bedeutsame Eingabe an den Minister Eichhorn gerichtet und dieselbe
in der Schul-Chronik von 18^5 veröffentlicht. Sie findet sich in
dieser Sammlung seiner Schriften S. 51 ff. Bei dem 1882 in Mörs
gefeierten fünfzigjährigen Jubiläum Zahns sagte Dörpfeld: „Es ist
schade, daß viele wertvolle Aufsätze, welche die Schul-Chronik in ihrem

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