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I. Abteilung. Abhandlungen.
Tat gewesen, die dem Lehrerstande in dankbarer Erinnerung bleiben
wird. Aber auch in jenen andern Kreisen, wo diese Stimme damals
verhallte, wird man ihrer dereinst mit Anerkennung gedenken —
wenn der Nebel in der Schulverfassungsfrage glücklich verschwunden
sein wird."
Wie das Wort Hollenbergs in eigenartiger Weise auf die weit
greifende, alles umfassende Bedeutung des Christlichen bei Zahn hin
weist, so ergänzt Dörpfeld nicht minder bedeutsam die Charakteristik
Zahns dadurch, daß er es ausspricht, wie Zahn den Schulmännern
gezeigt habe, daß bei der echt christlichen Lebensanschauung
die berechtigten Ansprüche des Schulamtes nicht nur
nicht zu kurz kommen, sondern vielmehr erst nach ihrem
vollen Gewichte geltend gemacht werden können.
Fürwahr, Zahn hat in Lehre und Leben es in überzeugendster
Weise gezeigt, was für ein köstliches Ding es ist um die christliche
Freiheit, die nicht fragt nach dem, was dem Avancement, der äußern
Ehre, dem ruhig behaglichen Leben rc. nützlich oder schädlich werden
könnte, sondern uns gewöhnt, als im höheren Dienst stehend zu tun
und zu sagen, was man nach bestem Gewissen zu tun und zu sagen
schuldig ist. Freilich sieht man auch an ihm die alte Wahrheit
bestätigt, daß die rücksichtslose Verfolgung des Ideals nicht ohne
schwere und bittere Erfahrungen abgeht. Zahn sowohl wie auch
später sein Schüler Dörpfeld mußten bei ihrer Arbeit für die Er
haltung und Gewinnung einer gesunden Schulverfassung den Schul
herren Kirche und Staat manches sagen, was nicht jeder gern hört
Wie deutlich sie nun auch ihre Liebe zu Staat und Kirche in ihrer
hingebenden Mitwirkung für deren Zwecke erwiesen haben, und wie
manche Anfechtung sie sich dieserhalb von Andersgesinnten gern haben
gefallen lassen müssen, so konnte es ihnen doch begegnen, daß sie von
beiden als Störenfriede, ja sogar als bedenkliche Gegner behandelt
wurden. Sache der Biographie wird es sein, nähere Mitteilung dar
über zu machen, was im Jahre 1857 den leiblich wie geistig gleich
frischen Mann bewegte, das stets freudig gepflegte Amt am Seminar
niederzulegen. Hier kann ich nur sagen, daß mit Anfang der fünf
ziger Jahre die Zeit begonnen hatte, in der man, wie in der Volks
schule Schulnormalmenschen, so im Seminar Normallehrer heraus
zubilden sich bemühte. Dafür war Zahn allerdings nicht der rechte
Mann.
Als Direktor hatte Zahn den Unterricht in der Religion und der
Pädagogik, damals Schulkunde genannt, zu erteilen.

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